Grawe erkannte ihr volles Hypo-Risiko erst 2015

10. Februar 2016, 20:57
18 Postings

Othmar Ederer wusste laut seiner Aussage im U-Ausschuss bei der Verstaatlichung nichts von der Haftung für die Pfandbriefstelle. Risikovolumen: 150 Millionen Euro

Wien – Eine erstaunliche Wissenslücke hat Grawe-Chef Othmar Ederer am Mittwoch im Hypo-U-Ausschuss eingeräumt. Der Grazer Versicherer hielt zum Zeitpunkt der Verstaatlichung noch 20 Prozent an der Hypo. Mitgegeben hat die Grawe der Bank damals gerade einmal 30 Millionen Euro – das habe dem Betrag entsprochen, mit dem man bei einer Pleite der Bank geradestehen hätte müssen, erklärte Ederer den Abgeordneten. Zum Vergleich: Kärnten (hielt rund zwölf Prozent) zahlte 200 Mio. Euro ein, Hauptaktionär Bayern 825 Mio. Euro.

Allerdings: Bei der 30-Millionen-Rechnung sind die Haftungen, die die Grawe (über ihre Tochter, die Ex-Landesbank Bank Burgenland) für die Pfandbriefstelle hat, nicht eingerechnet. Davon habe er, Ederer, damals nichts gewusst, der zuständige Mitarbeiter habe ihn darüber nicht informiert.

In der Hektik "nicht realisiert"

Das Risiko, um das es ging, bezifferte Ederer mit 150 Mio. Euro. Er habe davon erst im März 2015 (als das Thema virulent wurde; Anm.) erfahren. Eine Aussage, die auf großes Erstaunen stieß, das Jan Krainer (SPÖ) in eine rhetorische Frage kleidete: "Sie als Aufsichtsratschef der Bank Burgenland haben vom Haftungsverbund für die Pfandbriefstelle nichts gewusst?" Ederer blieb dabei: Er habe das in den hektischen Verhandlungstagen "nicht realisiert".

Dass auch die Verhandler der Republik die Grawe nicht auf ihr wahres Risiko hingewiesen und so zu einem höheren Beitrag bewegt hätten, nahmen etliche Abgeordnete kopfschüttend zur Kenntnis. Doch Ederer blieb dabei: "Die Haftung für die Pfandbriefstelle war bei diesen Verhandlungen kein Thema."

Bund wollte 200 Millionen von Grawe

Zuvor hatte Ederer geschildert, dass die Vertreter der Republik, Finanzminister Josef Pröll und Staatssekretär Andreas Schieder (SPÖ), einen Beitrag von 200 Mio. Euro von der Grawe verlangt hatten. Er habe dafür "keine Rechtsgrundlage gesehen, wir haben unser Angebot gemacht". Wie Pröll darauf reagiert habe?, wollte Grünen-Mandatar Werner Kogler daraufhin wissen. "Nicht begeistert", antwortete Ederer, "aber er hat mich weder mit dem Messer noch mit anderen Dingen bedroht oder beschimpft".

Recht viel Raum nahm in der (bereits zweiten) Befragung Ederers die Frage seines sonstigen Wissensstandes in der Hypo ein. Der langjährige Aufsichtsratsvizechef (2000 bis 2009) wurde als "intimer Kenner der Hypo", als "graue Eminenz" betitelt. Vorhaltungen, er habe von "Malversationen und falschen Bilanzen" gewusst, wies er vehement zurück. Bei der Frage nach seinen Fehlern spielte er den Ball einfach weiter. Die Bayern seien dann doch der falsche Partner gewesen – aber gebracht worden seien sie ja von Wolfgang Kulterer und Tilo Berlin.

Schwerbeschäftigter Bilanzexperte

Nach Ederer wurde der langjährige Accounting-Chef Stephan Holzer befragt. Er war fürs Bilanzzahlenwerk zuständig und arbeitet heute noch für die Heta. Seine vielen Funktionen bei Hypo-Töchtern kommentierte er so: "Meine Überstunden lagen nicht bei 100, sondern bei 200 Prozent." (Renate Graber, 10.2.2016)

  • Grawe-Chef Othmar Ederer spielte Ball im U-Ausschuss an die Bayern weiter.
    foto: apa/eggenberger

    Grawe-Chef Othmar Ederer spielte Ball im U-Ausschuss an die Bayern weiter.

Share if you care.