Warum Rohstoffe wieder teurer werden sollen

14. Februar 2016, 16:00
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Öl, Kupfer und Co sollten bald im Preis steigen, sagen Experten. Immer mehr Investoren würden auf steigende Preise wetten

Frankfurt – Fürchtet euch nicht, so kann man James Butterfill interpretieren, es ist alles nur halb so schlimm: Der Einbruch der Aktienmärkte im Jänner ist kein Grund zur Sorge, sagt der Ökonom. Auch die Rohstoffpreise, die zu Beginn des Jahres stark nachgegeben haben, würden wieder steigen. Alles nur eine Frage der Zeit, denn derzeit dominiere an den Märkten nicht das Hirn, sondern das Herz.

Butterfill ist Chefökonom des Finanzdienstleisters ETF Securities. An diesem Vormittag erklärt er Anlegern im Herzen des Frankfurter Finanzzentrums die Großwetterlage der Weltwirtschaft. Gleichzeitig will er abtasten, was Investoren so unvernünftig macht wie jetzt gerade. Um die Werbetrommel für sein Geschäft zu rühren, fliegt seine Firma auch Medien zur Konferenz ein, den STANDARD inklusive.

Keine größeren Probleme

"Es ist sehr selten, dass es bei so niedrigen Ölpreisen wirklich zu größeren wirtschaftlichen Problemen kommt", sagt er. Die Ölpreise sollten seiner Ansicht nach auch nicht weiter fallen, denn derzeit würde man bei ETF Securities vor allem Produkte verkaufen, mit denen Investoren auf steigende Preise wetten könnten.

Bei früheren Konferenzen sei die Sorge der Anleger vor allem die Situation in China und die Anhebung der Leitzinsen durch die US-Notenbank Fed gewesen, sagt Butterfill. "Ich war überrascht, dass man sich hier in Frankfurt vor allem um eine Blase an den Anleihemärkten sorgt." Er sei eher auf der Seite Ersterer, die Fed könnte zu lange mit einer Anhebung der Zinsen warten, sagt er. China bereite ihm Kopfschmerzen, das Land sollte aber weiterhin mit 6,5 Prozent im Jahr wachsen.

Kosten übersteigen Preis

"Das wird auch Druck von den Rohstoffpreisen nehmen, die unter anderem wegen der sinkenden Nachfrage aus China stark gefallen sind." Allgemein sollte mit den gesunkenen Rohstoffpreisen, die so mancher Regierung von Brasilien bis Saudi-Arabien die Schweißperlen auf die Stirn treiben, bald Schluss sein, sagt Butterfill. Die Produktionskosten seien bei vielen Metallen deutlich höher als die Preise, die man im Verkauf erziele. Lange könne das nicht weitergehen, es würden Minen zusperren, das Angebot gehe zurück.

"Die Zahlen legen nahe, dass wir heuer ein Angebotsdefizit bei industriellen Metallen haben werden", sagt der Ökonom. Sinkt das Angebot, steigt der Preis. "Die Fed-Politik kommt noch dazu. Wenn sie ihre Leitzinsen anhebt, steigen normalerweise die Preise für Rohstoffe."

Rückläufiges Angebot

Auch David Wech von JPC Energy erwartet ein rückläufiges Angebot, etwa bei der Förderung von Rohöl. "In den USA wird es mächtig sinken, die Frage ist nur, um wie viel." Er erwartet über kurz oder lang wieder steigende Ölpreise. Das zusätzliche Ölangebot aus dem Iran sollte sich in Grenzen halten, sagt er. "500.000 Fass zusätzlich am Tag scheinen realistisch, für mehr bedarf es hoher Investitionen, die aber Zeit brauchen." Allein für die USA erwartet JBC Energy einen Angebotsrückgang von rund einer Million Barrel pro Tag bis zur Mitte des Jahres.

Was den Preis von Metallen betrifft, rechnet Rainer Bunge von der Hochschule für Technik Rapperswil ebenfalls mit einer steigenden Tendenz. Wieso? Er erklärt es am Beispiel Kupfer. In den Industrieländern sei der Bedarf gesättigt, dort komme man auf ein Kupferinventar von etwa 300 Kilo pro Kopf. 85 Prozent der Weltbevölkerung seien davon noch weit entfernt. Brasilien und China würden bei etwa einem Sechstel davon liegen.

Steigende Nachfrage

Die Nachfrage nach Kupfer sollte demnach also weiterhin tendenziell steigen, die Produktion werde aber zunehmend mühsamer und damit auch teurer. "Folglich gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass die Preise nicht ansteigen werden." In den vergangenen Jahren sei der Kurs jedoch sehr stark gesunken. Geht es nach Bunge, heißt es nun auf die nächste Aufwärtsbewegung warten. "Kaufen Sie Kupfer!", schließt er seinen Vortrag ab. (Andreas Sator, 14.2.2016)

  • Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Auch Kupfer, das in den vergangenen Jahren stark gefallen ist, werden gute Kurschancen eingeräumt.
    foto: reuters / maxim shemetov

    Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Auch Kupfer, das in den vergangenen Jahren stark gefallen ist, werden gute Kurschancen eingeräumt.

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