Bundesheer: Viele Rekruten zeigen Interesse an Grenzeinsatz

10. Februar 2016, 16:36
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Überraschend hohe Zahl will nach Grundwehrdienst zur Miliz – und zum Flüchtlingseinsatz

Wien – In der Wiener Rossauer Kaserne, dem Sitz des Verteidigungsministeriums, hofft man, dass sich dieser Trend unter Grundwehrdienern in der Obersteiermark nun österreichweit durchsetzt: Statt den Tag der Abrüstung mit den legendären Stricherllisten herbeizusehnen, haben sich unlängst in der Landwehrkaserne in St. Michael vom knapp 200-köpfigen Jägerbataillon 18 exakt 74 Rekruten, darunter zwei Frauen, für die Miliz gemeldet – um schon im März für acht Wochen in den wegen des anhaltenden Flüchtlingsandrangs notwendigen Assistenzeinsatz des Bundesheeres zu ziehen.

Dass sich damit mehr als ein Drittel seines Verbandes freiwillig den mitunter recht anstrengenden Dienst an der Südgrenze antun will, hat sogar den zuständigen Kommandanten überrascht: "Ich hätte vielleicht mit dreißig Leuten gerechnet", sagt Oberst Karl-Heinz Tatschl zum STANDARD. "Aber offenbar wollen nun viele, was sie beim Bundesheer gelernt haben, auch umsetzen."

Statt Abrüsten freiwilliger Abmarsch

Im Verteidigungsressort bestätigt Oberst Michael Bauer, dass es Freiwilligenmeldungen "in dieser Quantität noch nicht" gegeben hat. Konkret werden die Grundwehrdiener des Jägerbataillons 18 demnächst als "Gefreite" an den Grenzübergängen stehen – und, wie alle Soldaten im Assistenzeinsatz seit September, die Polizei bei Ordnungsaufgaben unterstützen. Also: bei Gepäckskontrollen etwa oder bei der Essensausgabe an Flüchtlinge. Auch auf tumultartige Szenen wie im Sommer sind die neuen Milizionäre vorbereitet. "Zu unserer Einsatzvorbereitung gehört auch die Demonstrationskontrolle", erklärt Tatschl. Bedeutet: der adäquate Umgang mit Menschen in der Masse, sollten einige davon "neben sich stehen".

Geld und Grenzsicherung als mögliche Motive

Neben der Begründung, dass es trotz der Finanznöte beim Militär in der Landwehrkaserne offenbar gelungen ist, den Grundwehrdienst mit Gebirgsausbildung, Gefechtsübungen und Co "attraktiviert" zu haben, hat man im Ministerium weitere Erklärungen parat, warum der Zulauf zur Miliz heuer steigen könnte. Einerseits steht den Freiwilligen an der Grenze nach dem Einsatzzulagengesetz eine Prämie in der Höhe von 1.180 Euro zu, womit die Gefreiten auf 2.770 Euro brutto im Monat kommen.

Andererseits haben rund 40 Prozent der derzeit rund 200 Milizsoldaten, die schon im Einsatz sind, gerade einmal den Schulabschluss, sind ergo mehrheitlich angehende Studenten. Möglicher Grund für den aktuellen Aufwärtstrend: Wer Ende Februar abrüstet, wartet mit dem Studienbeginn samt Eingangsphasen vielleicht lieber bis zum Herbst – und macht sich inzwischen beim Bundesheer nützlich.

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) ist jedenfalls davon überzeugt: "Die Freiwilligen wollen ihren Beitrag für mehr Sicherheit an der Grenze leisten." Er sieht darin "ein starkes Signal an die Miliz", die er "weiter stärken möchte".

Abschiebungen mit Hercules

"Binnen Monatsfrist" möchte Doskozil auch die ersten Abschiebungen mit den Hercules durchführen. Bei einer Besichtigung der Transportmaschinen in Hörsching erklärte er, er gehe davon aus, dass die Rückführungen "billiger" kommen als mit Linien- oder Charterflugzeugen. Wohin die Hercules mit 6.000 Kilometern Reichweite fliegen, ist aber noch offen, denn mit Afghanistan und Marokko etwa gibt es noch keine Rückführungsabkommen. (Nina Weißensteiner, 11.2.2016)

  • Oberst Karl-Heinz Tatschl, Kommandant des Jägerbataillons 18, erklärt zum anstehenden Einsatz seiner Grundwehrdiener, bald als Gefreite an der Grenze: "Zu unserer Einsatzvorbereitung gehört auch die Demonstrationskontrolle." Bedeutet: Der adäquate Umgang mit Menschen in der Masse, sollten einige davon "neben sich stehen".
    foto: bundesheer / grebien

    Oberst Karl-Heinz Tatschl, Kommandant des Jägerbataillons 18, erklärt zum anstehenden Einsatz seiner Grundwehrdiener, bald als Gefreite an der Grenze: "Zu unserer Einsatzvorbereitung gehört auch die Demonstrationskontrolle." Bedeutet: Der adäquate Umgang mit Menschen in der Masse, sollten einige davon "neben sich stehen".

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