Seoul stoppt Betrieb von Industriepark in Nordkorea

10. Februar 2016, 14:41
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Nach umstrittenen Raketenstart des Nachbarn

Seoul/Pjöngjang – Nach Nordkoreas jüngstem umstrittenen Raketenstart will Südkorea den Nachbarn von einer wichtigen Devisenquelle abschneiden und stoppt deshalb den Betrieb ihres gemeinsamen Industrieparks. Damit Gelder des Fabrikparks in Kaesong nicht für das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm genutzt werden, habe die südkoreanische Regierung beschlossen, den Komplex "komplett zu schließen".

Das teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Mittwoch mit. Nordkorea sei darüber informiert worden. Der grenznahe Komplex befindet sich auf nordkoreanischem Gebiet. Als weitere Sanktion verstärkte Südkoreas Militär außerdem die Propaganda-Beschallung Nordkoreas an der Grenze, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mitteilte. Aus mehreren Lautsprecher-Batterien sendet Südkorea seit einem weltweit kritisierten Atomtest Nordkoreas im Jänner bereits laute Popmusik über die Grenze und strahlt Sendungen mit Kritik am kommunistischen Regime in Pjöngjang aus.

Auch Japan verschärfte seine Sanktionen gegen Pjöngjang. Nach Angaben des Außenministeriums in Tokio werden unter anderem Überweisungen und Bargeldsendungen eingeschränkt. Nordkoreanische Schiffe dürften außerdem nicht mehr japanische Häfen anlaufen.

Provokationen

Südkoreas Vereinigungsministerium warf Nordkorea vor, durch seine Provokationen den Frieden in der Region zu gefährden. Kurz nach seinem vierten Atomtest habe das Land eine Langstreckenrakete gestartet und damit wiederholte Warnungen der internationalen Staatengemeinschaft in den Wind geschlagen.

Nordkoreas Start der Weltraumrakete am Sonntag hatte weltweit Empörung ausgelöst. Während Pjöngjang von einem "legitimen Recht auf Weltraumforschung" sprach, sieht die internationale Gemeinschaft darin den verdeckten Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete.

Bis zum heutigen Tag flossen Nordkorea nach den südkoreanischen Angaben durch den Kaesong-Komplexes 616 Milliarden Won (458 Millionen Euro) zu, hieß es. Der 2004 geöffnete Fabrikpark in einer Sonderzone der nordkoreanischen Stadt Kaesong war das einzige größere Wirtschaftsprojekt, das beide Staaten noch gemeinsam betrieben. Mehr als 50.000 Nordkoreaner arbeiteten dort zuletzt für 124 südkoreanische Unternehmen, die von den niedrigen Löhnen im abgeschotteten Nachbarland profitieren. Hergestellt wurden unter anderem Textilien, Schuhe und Haushaltsgeräte. Eine Vereinigung der Unternehmen in Kaesong rief die Regierung in Seoul auf, die Schließung zu überdenken.

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