Gedankenlesende Maschine hilft Anfängern beim Klavierlernen

13. Februar 2016, 21:17
5 Postings

Bach-Choräle lassen sich mit technischer Unterstützung bedeutend schneller aneignen

Medford – Wer als Klavierschüler Bach meistern will, muss lange üben – oder man holt sich neuroelektronische Unterstützung: US-Computerwissenschafter haben eine Methode entworfen, mit deren Hilfe man sich Bachstücke – oder im Grunde jedes andere Klavierstück – schneller aneignen kann. Der Computer greift dabei auf Techniken zurück, die auch dazu eingesetzt werden, um anhand der Gehirnaktivität gleichsam Gedanken zu lesen.

Die beiden Forscher Beste Yuksel und Robert Jacob von der Tufts University in Massachusetts haben ihr System sinnigerweise BACh genannt; das Akronym steht für Brain Automated Chorales. BACh hilft Anfängern beim Erlernen von Chorälen, indem es mit der funktionellen Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) in den präfrontalen Kortex der Klavierschüler blickt, um festzustellen, wie viel das Gehirn gerade zu tun hat. Gemessen wird dies am Sauerstoffgehalt im Blut des betreffenden Hirnareals.

Informations-Overlod verhindern

Stellen die fNIRS-Sensoren fest, dass das Gehirn der Klavierspieler nicht mehr ausreichend gefordert wird, schickt BACh ihm einen neuen Musikabschnitt zum Üben. Dies verhindere nach Ansicht der Forscher, dass es zu einem Informations-Overload kommt.

Um zu testen, ob BACh tatsächlich funktioniert, luden Yuksel und Jacob 16 unerfahrene Klavierspieler zum Experiment. Die Probanden sollten zwei Bach-Choräle zu spielen lernen; einen mit BACh-Unterstützung, den zweiten alleine.

Das Resultat sprach eindeutig für den Einsatz lernunterstützender Technik: Nach 15 Minuten konnten die Testpersonen die Stücke, die mit BAChs Hilfe eingeübt wurden, bedeutend besser und schneller spielen, als jene, die ohne Computerbeistand gelernt wurden. Probanden mit geringerer Spielerfahrung profitierten übrigens am meisten von der Methode.

Auch für Sprachen geeignet

Die Technik sei nach Meinung der Wissenschafter nicht auf die Musik allein beschränkt. BACh bzw. ein entsprechend modifiziertes System, könnte auch bei praktisch jedem anderen Lernfeld von Nutzen sein, etwa wenn es darum geht, eine neue Sprache zu lernen. Die Stärke dieser Methode sei laut Yuksel, dass sie auf individuelle Lerntempi Rücksicht nimmt.

Ob BACh oder eine künftige Weiterentwicklung für die Allgemeinheit zugänglich auf den Markt kommt, bleibt noch abzuwarten. Vorerst besitzt das ganze System etwa die Größe eines Mikrowellenherds. Yuksel, Jacob und ihre Kollegen arbeiten allerdings bereits an einer tragbaren Version ihres Systems. (tberg, 13.2.2016)


Studie im Volltext
ACM Conference on Human Factors in Computing Systems: "Learn Piano with BACh: An Adaptive Learning Interfacethat Adjusts Task Difficulty based on Brain State."

  • Wer künftig nicht viel Zeit hat, um Klavierstücke einzuüben, könnte technische Unterstützung bekommen.
    foto: apa/epa/stefano porta

    Wer künftig nicht viel Zeit hat, um Klavierstücke einzuüben, könnte technische Unterstützung bekommen.

Share if you care.