Über Laufbänder: In der Tretmühle

11. Februar 2016, 05:30
49 Postings

Ich hasse Laufbänder. Vielleicht ja auch, weil ich früher auf den Bändern viel Schmerz und keine Freude erfuhr. Manchmal probiere ich es aber trotzdem wieder.

Benni Raich ist natürlich tougher und konsequenter. Und ich bin das Lulu. Schließlich habe ich nach nicht einmal 25 Minuten das Handtuch geworfen. Und bin in die Sauna übersiedelt. Benni Raich aber war brav: Er hat eine Stunde durchgehalten. Das "Bummbummbummbumm" des Doppelolympiasiegers war nicht zu überhören. Nicht in der Sauna, nicht bei der Massage. Angeblich nicht einmal im Pool, unter Wasser. Haben die Anderen gesagt. Die, die Benni Raich in Gudauri im Hotel "Roomz" am Laufband gesehen haben: Ich war da nämlich nimmer im Wellnessbereich.

foto: thomas rottenberg

Ich könnte jetzt versuchen, mich raus zu reden. Schließlich ist Raich gut zehn Jahre jünger als ich. Er war bis zum Vorjahr auch aktiver Leistungssportler mit vollem Profi-Trainingsvolumen – ich dagegen war nie was anderes als eine Hobette. Außerdem: während ich am Zahnfleisch ins Hotel zurück krabbelte, war Raich gerade einmal aufgewärmt: Was mir die letzte Kraft aus Muskeln und Knochen saugte, ist für ihn grad ein bisserl lockeres Offpiste-Fahren.

Deswegen waren wir beide nämlich in Gudauri. Das liegt in Georgien. Am Kaukasus. Dorthin hatte mich (und ihn) ein Heliski-Veranstalter eingeladen. Ihn als VIP-Testimonial – mich als Schreibkraft. Aber das ist eine andere Geschichte.

thomas rottenberg

Laufsachen hatte ich keine mitgenommen. Keine für draußen. Keine Ahnung, wieso ich davon ausging, dass das nicht gehen würde – aber vor Ort sah ich, dass das keine so falsche Annahme gewesen war: Rund ums Hotel verwendeten sie die große Hilti, um Eis von der Straße zu kriegen. Aber ich weiß eh: Wenn man will, geht immer was. Aber vor der Reise hatte ich auf die Hotel-HP geschaut. Da gab es ein Foto vom Fitnessraum. In dem stand ein Laufband.

foto: thomas rottenberg

Ich hasse Laufbänder. Von ganzem Herzen. Immer schon. Das liegt – vermutlich – daran, dass ich, in einer Zeit, in der ich noch an Fitnesscenter und Muskeln glaubte, auf diesen Dingern Warmups machte. Lustlos und schmerzvoll: Ich habe, glaube ich, schon erzählt, dass mehrere Orthopäden mir aufgrund einer Fussfehlstellung und einer schon in der Schulzeit nach fünf Fußballminuten akut werdenden chronischen Beinhautentzündung oftmals attestiert hatten, dass "du nie länger als fünf Minuten schmerzfrei laufen können wirst." Im Fitti lief ich Zehner. Nicht Kilometer – Minuten. Laufen war: Langweilig. Schmerzhaft – und bei mir auch noch viel zu laut. BUMMBUMMBUMMBUMM.

Draußen laufen – eine Befreiung

Irgendwann und irgendwie (eine lange Geschichte) wurde ich trotzdem Läufer. Draußen. Es war eine Befreiung. Eben weil draußen. Und das bei fast jedem Wetter. In die Muckibude ging ich kaum mehr. Höchstens zum Schwimmen, um am Spinningrad zu lesen – oder wenn der Trainingsplan Ausgleichs- und Krafttraining verordnete.

Aufs Laufband habe ich mich da nur selten gestellt. Meist nur um meine Vorbehalte zu bestätigen: Allein, dass man durch das Zuschalten eines Föhns Wind kompensieren kann… Außerdem reicht es mir, mich bei der Arbeit wie ein Hamster im Rad zu fühlen – da brauche ich nicht auch noch den sichtbaren Beweis dafür. Und vor dem Fernseher hänge ich ohnehin zu viel. Dann auch noch beim Sport-Machen… und so weiter.

foto: thomas rottenberg

Aber natürlich gibt es Situationen, in denen ich die Sinnhaftigkeit des Laufbandes akzeptiere. Zuletzt war das bei der Spazierfahrt mit der "Norwegian Escape": Die Laufbahn am Deck des Kreuzfahrtschiffe war ein Witz. Und die Haupt-Promenade-Zone der übrigen 4.499 Passagiere. Außerdem war ich dermaßen verkühlt und vergrippt, dass ich nicht bei Wind, Regen und niedrigen Temperaturen… Während das Schiffs-Fitti voll mit Hantelschupfern war, hatte ich die Bänder mit Blick auf die Nordsee für mich. Fad war es trotzdem.

foto: thomas rottenberg

Diese Woche also Gudauri. Das Laufband selbst war voll ok. Modern. Gut in Schuss. Nur stand es in einem ohnehin warmem Raum direkt neben der Heizung. Und… aber was rede ich: Benni Raich hat es ja auch eine Stunde ausgehalten – ich keine 25 Minuten.

Das Laufband in Gudauri

Ja eh: Laufbänder sind natürlich nicht vollkommen sinnbefreite oder gar groteske Trainingsgeräte: Ich kenne einige – vor allem Ultraläufer – die sowas daheim stehen haben, und sich dann fünf Stunden darauf "gönnen". Harald Fritz, der Triathlon-Trainer, mit dem ich im Herbst beim "Great Ethiopian Run" war, erklärte mir nicht nur einmal, dass das Laufband der unbestechlichste Kontrollor beim Tempo- und Intervalltraining ist.

"Weil das Band das Tempo hält – da kannst Du nicht schummeln." Obwohl auch Fritz – wie jeder gute Trainer und jeder gute Laufschuhändler – weiß, dass die Laufbewegung am Band eine ganz andere als die am Boden ist: Schuhe nur per Laufband-Check zu verkaufen, lehnt ein Hans Blutsch aus den gleichen Gründen ab, wie meine Trainerin Sandrina Illes ihre Laufstilanalysen nicht am Laufband macht.

foto: thomas rottenberg

Dennoch: Argumente FÜR den Schritt aufs Band gibt es zuhauf. Man findet sie in – großen – Laufmagazinen. Etwa dass man so super Berghinauflaufen üben kann, ohne das kniemordende Bergab mitnehmen zu müssen. Oder dass man exakt an Grenz- und Schwellenwerten trainieren kann. Oder … Ganz ehrlich? Ich hab keine Lust, aus "Runnersworld" & Co abzuschreiben – und so zu tun, als wäre das, auf meinem Mist gewachsen. Schon gar nicht, wenn es sich für mich zumindest ein bisserl nach Schönschreiberei für eine wetterängstliche Komfortzonen- und Fitti-Klientel, anhört. Sicher: Nichts von dem, was da steht, ist falsch. Nur ändert das an einem Faktum nichts: Ich hasse Laufbänder. (Thomas Rottenberg, 11.2.2016)


Mehr über den Trip mit Benni Raich gibt es auf Rottenbergs Blog zu lesen.

Die Reise nach Gudauri erfolgte auf Einladung des Veranstalters.

  • Artikelbild
    foto: thomas rottenberg
Share if you care.