Bank Austria löste Pensionsreserve auf

10. Februar 2016, 18:04
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Entlastung der Bank um 1,9 Milliarden wegen Pensionstransfers in ASVG, allerdings auch neue Rückstellungen

Wien – Die Bank Austria – Tochter der Mailänder Unicredit – hat ihre Zahlen für 2015 vorgelegt. Es war die letzte Jahresbilanz in alter Aufstellung. Bis Ende 2016 geht das Ostgeschäft an die Mutter Unicredit. Damit ist der wichtigste Ertragsbringer weg. Wäre das jetzt schon so, hätte die Bank Austria 105 bis 110 Milliarden Euro Bilanzsumme und schätzungsweise nur etwas mehr als eine halbe Milliarde Gewinn gehabt.

Heikler Transfer

In der jetzigen Aufstellung lautete die Bilanzsumme per Ende 2015 auf 193,6 Milliarden Euro (plus 2,4 Prozent). Unterm Strich wies die Bank einen Jahresgewinn von 1,3 Milliarden Euro aus, ein leichter Rückgang um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im letzten Quartal hat die Bank noch aufgeholt.

Obwohl der geplante Transfer von 3300 Mitarbeitern vom hauseigenen Pensionssystem ins staatliche ASVG auf heftige Gegenwehr stößt, hat die Bank die Reserven bereits bilanzwirksam aufgelöst. Es geht um 1,9 Milliarden Euro. Um diese Größe sinken auch die Haftungen der Gemeinde Wien für die Bank.

Neue Rückstellungen

Im Gegenzug hat das Institut neue Rückstellungen gebildet – besonders für Zahlungen, die im Zuge der ASVG-Übertragung fällig werden. In der Gewinn- und Verlustrechnung schlugen sich die Verschiebungen positiv (312 Millionen Euro) nieder. Abbuchungen musste die Bank allerdings im Eigenkapital vornehmen. Rückstellungen können dort als Steueraktiva gebucht werden. So habe sich ein nahezu neutraler Effekt von minus 27 Millionen Euro für die Bilanz ergeben.

Die Bilanz war geprägt von weiter sinkenden Nettozinserträgen und höheren Wertberichtigungen und Vorsorgen im Osten: Die Kreditwertberichtigungen stiegen in Summe um 28,8 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Grund dafür war unter anderem die Franken-Zwangskonvertierung in Kroatien, die mit 205 Millionen Euro zu Buche schlug. Die Kreditcausa in Kroatien hat auch der dortigen Tochter einen Vorsteuerverlust von 49 Millionen Euro beschert. Die Kreditkosten 2015 fielen im wesentlichen im Ostgeschäft an, wo sie gleich um die Hälfte anstiegen, das Kreditrisiko im österreichischen Kundengeschäft wird mit "de facto null" beschrieben.

Ukraine-Verlust

Mit 367 Millionen Euro schlug in der Jahresbilanz 2015 der Verlust in der Ukraine samt weiterer Abschreibposten im Zusammenhang mit der zum Verkauf gestellten Tochter Ukrsotsbank zu Buche, geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Bank-Austria-Jahreszahlen hervor.

Die Ukraine-Last war denn auch hauptverantwortlich dafür, dass der Nettogewinn der ganzen Osteuropasparte im abgelaufenen Jahr von rund einer Milliarde Euro auf 604 Millionen Euro zurückgegangen ist.

Auch in Russland mussten Kreditvorsorgen erhöht werden, die Banktochter dort ist aber weiter profitabel. Die Russland-Bank hat nach Angaben aus dem Konzern einen Vorsteuergewinn von 276 Millionen Euro ausgewiesen. Vom Geschäft in der Türkei wurden sogar 436 Millionen Euro Gewinn vor Steuern verbucht und aus den Operationen in Tschechien und der Slowakei 260 Millionen Euro. Auch die Ungarn-Tochter habe sich stark verbessert, betont die Bank.

Das gesamte Betriebsergebnis (vor Kreditrisiko) der Bank Austria lag 2015 bei 2,8 Milliarden Euro. Der Ostsparte waren dabei 2,34 Milliarden Euro zugerechnet und dem Österreich-Geschäft rund 700 Millionen Euro. Dazu kommen Ertrags- und Abzugsposten, die keinem Segmenten direkt zugeordnet sind. Positiv für die Bilanz waren 2015 unter anderem umfangreiche Immobilienverkäufe. (Reuters, APA, red; 10.2.2016)

  • Die Bank Austria legt ihre Zahlen vor – das letzte Mal in dieser Form.
    foto: standard/cremer

    Die Bank Austria legt ihre Zahlen vor – das letzte Mal in dieser Form.

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