Deutsche Bank verliert massiv an Wert

9. Februar 2016, 18:00
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Deutschlands größte Bank sieht sich nach 40-prozentigem Kursverlust seit Jahresbeginn zu ungewöhnlichen Beschwichtigungen gezwungen

Frankfurt – Nach dem dramatischen Absturz zu Wochenbeginn verlor die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus, der Deutschen Bank, am Dienstag erneut fast zwei Prozent und damit stärker als der Leitindex Dax. Anfängliche Gewinne wurden schnell wieder abgegeben. Das Papier kostet weiter deutlich weniger als 15 Euro – in den besten Zeiten waren es einmal über 100 Euro. Seit Jahresbeginn haben die Titel von Deutschlands größtem Geldhaus über 40 Prozent verloren.

Viele Anleger sind verunsichert angesichts tiefroter Zahlen und milliardenschwerer Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten. "Die Investoren haben komplett den Glauben an die Bank verloren", fasst es ein Großaktionär des Instituts zusammen. Der neue Bank-Chef John Cryan habe daran bislang nichts ändern können.

Die Deutsche Bank hat mit ihrem Zahlungsversprechen an Bond-Investoren nur vorübergehend für Beruhigung gesorgt. Nach der gestrichenen Dividende waren am Markt zuletzt Sorgen laut geworden, dass die Deutsche Bank auch kein Geld haben könnte, um ihre neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, "CoCos") zu bedienen. Sie wurden erst 2014 im Volumen von rund fünf Milliarden Euro ausgegeben und werfen für die Anleger vergleichsweise hohe Zinsen ab – in einzelnen Tranchen mehr als sieben Prozent.

Ungewöhnlicher Schritt

Der Branchenprimus sah sich am Montagabend zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen: Zum wiederholten Mal binnen weniger Tage wurde bekräftigt, dass es keinen Grund zur Unruhe gebe. Die fälligen Zinszahlungen von je 350 Millionen Euro 2016 und 2017 seien gesichert. Nach Konzernangaben steht dafür dieses Jahr rund eine Milliarde Euro bereit. 2017 dürften es demnach sogar 4,3 Milliarden sein, weil die Bank mit Sondererlösen etwa aus dem Verkauf der knapp 20-prozentigen Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank rechnet. Außerdem stünden zusätzliche Mittel zur Verfügung, um gegebenenfalls auftretende Verluste auszugleichen, hieß es.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat angesichts der jüngsten Turbulenzen die Stärke des größten deutschen Geldhauses betont. "Sie können Ihren Kunden mitteilen, dass die Deutsche Bank angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide ist", schreibt der Brite in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns.

"Der Markt hat sich auch besorgt gezeigt, ob unsere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ausreichen. Diese Sorge teile ich keineswegs", schreibt Cryan. "Wir werden unsere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im laufenden Jahr sehr wahrscheinlich aufstocken müssen. Dies ist jedoch bereits in unserem Finanzplan berücksichtigt." Derzeit belaufen sich die Rückstellungen für mögliche juristische Niederlagen auf 5,5 Mrd. Euro.

Verwundbarkeit und Hysterie

Damit wird aber auch klar: Die Deutsche Bank geht an die Reserven, um sich die "CoCos" als neues Refinanzierungsinstrument nicht gleich wieder kaputt zu machen. Der Vertrauensverlust wäre enorm. Auch dieses Jahr ist wegen diverser Sonderlasten ein Verlust nicht ausgeschlossen, wie der Vorstand bereits eingeräumt hat. Das Analysehaus CreditSights schrieb in einem Kurzkommentar, die Bank bleibe verwundbar. Immerhin sei jetzt aber ein bisschen "Hysterie" aus dem Markt verschwunden. (APA/Reuters, 9.2.2016)

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