Griss zählt auf Großspender, Van der Bellen auf seine Partei

9. Februar 2016, 17:23
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Zwei Kandidaten sammeln Spenden für ihren Wahlkampf – mit unterschiedlichem Erfolg

Wien – Bisher ist Irmgard Griss zweifelsohne die Spendenkaiserin im Kampf um die Hochburg. Knapp 405.000 Euro hat die unabhängige Kandidatin seit Anfang Dezember gesammelt. Das ist fast acht Mal mehr, als der formal ebenso unabhängige Alexander Van der Bellen (Grüne) bisher lukrieren konnte. Beide veröffentlichen die Spenden freiwillig auf ihrer Website. Zufrieden ist das Team um Griss dennoch nicht. "Ab einer Million können wir schlagkräftig kampagnisieren", sagt Pressesprecher Jochen Prüller.

Seit Wochenbeginn versuchen Griss' Mitarbeiter deshalb in den sozialen Netzwerken, Menschen zu Kleinspenden zu animieren. Vom Büro der Präsidentschaftskandidatin werden sie als Beträge unter 1.000 Euro definiert. "Wir sind aber trotzdem von Großspendern abhängig", sagt Prüller. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt diese These. Zwei Drittel aller Spenden liegen unter 1.000 Euro, die fünf höchsten Spenden machen fast die Hälfte des bisherigen Aufkommens aus. "Deswegen stehen wir auch in Kontakt zu einigen Industriellen, die wir vom Spenden begeistern wollen", sagt Prüller.

Prominente Juristen

Auffällig: Für die ehemalige OGH-Richterin spenden viele prominente Juristen (der STANDARD berichtete). Auch Personen aus dem Umfeld der Hypo-Kommission, der Griss vorsaß, beteiligen sich am Wahlkampf. Privatrechtsprofessor Raimund Bollenberger etwa ließ 1.000 Euro springen – er war Teil von Griss' Team, als diese sich mit dem Vergleich zwischen der Bayrischen Landesbank und der Republik Österreich beschäftigte.

Das sind Summen, von denen Alexander Van der Bellen bisher nur träumen kann. Seitdem der ehemalige Bundessprecher der Grünen am 8. Jänner seine Kandidatur offiziell machte, hat er gut 50.000 Euro gesammelt.

Durchschnittsspende: 54 vs. 556 Euro

Am meisten haben ihm mit Eva Glawischnig, Ingrid Felipe und Martina Berthold drei Politikerinnen der Grünen gegönnt. Je 2.000 Euro bekam er von den Parteikolleginnen. Zwar sind die Summen bei Van der Bellen nicht so hoch wie bei Griss, gespendet aber haben für ihn schon mehr Leute. 946 Spenden gingen bis jetzt ein, 693 sind es bei Griss.

Auch ein Blick auf den Mittelwert offenbart die unterschiedliche Spenderstruktur. Während die Durchschnittsspende bei Van der Bellen 54 Euro ausmacht, sind es bei Griss 556 Euro. Pressesprecher Reinhard Pickl-Herk sagt: "Die Kleinbeträge freuen uns sehr, wenn uns jemand im großen Stil unterstützen will, sagen wir natürlich auch nicht Nein."

Parteienunterstützung

Dabei wird Van der Bellen schon im großen Stil unterstützt. Die grüne Bundespartei stellt ihm 1,2 Millionen Euro an Geld und 800.000 Euro an Sachspenden zur Verfügung. Das Büro wie auch die Mitarbeiter Van der Bellens sind Leihgaben der Grünen.

Parteiunterstützung macht auch andere Kandidaten weniger von Spenden abhängig. Für Rudolf Hundstorfer (SPÖ) kann man zwar Spenden, offensiv betrieben wird das aber nicht. Weder Andreas Khol (ÖVP) noch Norbert Hofer (FPÖ) haben bisher um finanzielle Hilfe gebeten. (Moritz Ablinger, 9.2.2016)

  • Bisher die einzigen Kandidaten, die ihre Spenden offenlegen: Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss.
    foto: apa/herbert neubauer

    Bisher die einzigen Kandidaten, die ihre Spenden offenlegen: Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss.

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