Russland für Türken keine sichere Bank mehr

9. Februar 2016, 17:18
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Bilaterale Beziehungen verschlechtern sich

Käufer gesucht: Die Credit Europe Bank hat ihre russische Tochtergesellschaft zum Verkauf gestellt. Bereits Mitte Jänner soll die Investmentbank Morgan Stanley mit der Suche nach möglichen Abnehmern beauftragt worden sein, heißt es aus Finanzkreisen.

Begründet wird der Verkauf der seit 1994 in Russland aktiven Bank mit der schwierigen Lage des russischen Finanzsektors, der stark unter den westlichen Sanktionen leidet, und dem politischen Streit zwischen Russland und der Türkei. Die Credit Europe Bank ist in den Niederlanden registriert, gehört aber dem türkischen Milliardär Hüsnü Özyegin.

Die Sanktionen, welche die russische Führung nach dem Abschuss eines Jagdbombers gegen die Türkei verhängt hat, betreffen den Finanzsektor bisher nicht. Nach der Einschätzung von Oleg Schagow vom Investitionshaus Solid sind Sanktionen in dem Bereich auch nur ein "letzter Ausweg", sollte die Türkei ihrerseits die Sberbank und ihre türkische Tochter Denizbank in die Mangel nehmen.

Ankara verhängt Strafmaßnahmen

Doch angesichts des Tempos, mit dem sich die bilateralen Beziehungen derzeit verschlechtern, ist ein solches Szenario nicht völlig auszuschließen. Hatte die türkische Regierung zunächst abwartend auf die russischen Sanktionen reagiert, verhängte nun auch Ankara erste Strafmaßnahmen gegen die russische Wirtschaft – basierend auf Dumpingvorwürfen gegen den russischen Stahlsektor.

Russischen Medienberichten nach hofft Credit Europe auf einen Erlös nahe dem Eigenkapital von rund 220 Millionen Euro. In Bankenkreisen wird jedenfalls aufgrund der schlechten Konjunktur und der psychologischen Zwangslage, in der sich Credit Europe befindet, auf einen Abschlag von rund 70 Prozent spekuliert.

Credit Europe ist nicht das einzige Bankhaus mit türkischem Kapital, das seine Präsenz in Russland herunterfährt: So reagierten Turkiye Is Bankasi und die Prokommerzbank auf die politischen Turbulenzen. Turkyie Is Bankasi senkte ihre Aktiva in Russland im Dezember um satte 44,7 Prozent, die Prokommerzbank um immerhin sechs Prozent. (Andre Ballin aus Moskau, 09.2.2016)

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