Maria Lai: Im Dorf der blauen Bänder

9. Februar 2016, 16:33
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Die Kremser Galerie Stadtpark gibt einen konzentrierten Einblick in das entdeckenswerte Werk der sardischen Künstlerin

Krems – Es ist eine Gegend, die man eigentlich nicht sofort mit zeitgenössischer Kunst in Verbindung bringt. Schroffe Felsen reichen gleich hinter dem alten, sardischen Küstendorf steil in die Höhe, in dem Maria Lai 1919 geboren wurde.

In den 1950er-Jahren hat die Künstlerin in Venedig Bildhauerei studiert, um dann zurückzukehren und in bewusst gewählter Abgeschiedenheit und fern vom Kunstmarkt in ihrem Heimatdorf weiterhin konsequent Kunst zu machen.

In der Ausstellung in the interim kriegt man einen Eindruck davon, wie dieses Umfeld aussah, in dem sie ihr Oeuvre entwickelte: Legarsi alla montagna (Tied to the mountain) titelt der Film aus dem Jahr 1981, zu dem ein Auftrag des Bürgermeisters den Ausschlag gab.

Eigentlich wollte er, dass Lai ein Denkmal für die Kriegsgefallenen macht. Allerdings war sie an einem Werk für die Toten nicht interessiert. Stattdessen hat sie bei der Realisierung des Auftrags auf eine alte Dorflegende zurückgegriffen und mit dieser die – angeblich größtenteils zerstrittenen – Dorfbewohner zur Interaktion animiert.

Die Geschichte handelt von einem Mädchen, das den Hirten etwas zu essen brachte, als im Gebirge ein Unwetter losbrach. Weil sie als einzige einem vom Himmel hängenden blauen Band folgte, entkam sie einem Erdrutsch, der alle anderen begrub.

Partizipative Aktion

In ihrer partizipativ angelegten Aktion ging es in Anlehnung daran um die Weitergabe eines blauen Bandes von einem Nachbarn zum anderen. Der Film zeigt, wie Maria Lai mit Bewohnern die identitätsstiftende Geschichte bespricht, aber auch wie engagiert die Beteiligung der Bevölkerung an diesem das ganze Dorf verbindenden Kunstwerk war.

Dass sie jene mündlich überlieferte Geschichte in ihre Überlegungen zu Partizipation, traditionellem Handwerk und in diesem Falle auch Land Art miteinbezog, lässt auf einen von ihr vertretenen Kunstbegriff schließen, für den auch die Verknüpfung von Kunst und Leben sehr wichtig war.

In den ebenfalls in der Ausstellung in the interim präsentierten "genähten Büchern" findet Lais Interesse am Transdisziplinären eine weitere Verdichtung: Es handelt sich bei den Arbeiten um mit Nähmaschine "geschriebene" Bilder, bei denen sie zwischen Text und Bild, Buch und Leinwand, aber auch dem traditionell weiblichen Handwerk und dem Geschriebenen keinen Unterschied macht. (Christa Benzer, 9.2.2016)

Galerie Stadtpark, Wichnerstraße, Krems. Bis 27.2, Mi-Sa, 11.30-18.30

  • In ihren "genähten Büchern" verwischt Maria Lai Unterschiede zwischen dem traditionell weiblichen Handwerk und der Schrift.
    foto: maria lai

    In ihren "genähten Büchern" verwischt Maria Lai Unterschiede zwischen dem traditionell weiblichen Handwerk und der Schrift.

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