Über die Entwicklung der Plasmazellen

15. Februar 2016, 06:00
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Wiener Molekularbiologin erforscht den Einfluss des Genregulators Blimp1

Plasmazellen, die weißen Blutkörperchen, produzieren Antikörper. So viel ist fix. Doch darüber, wie die Entwicklung dieser Zellen molekularbiologisch verläuft, war bisher nur wenig bekannt. "Das liegt auch daran, dass diese Zellen sehr schwierig zu untersuchen sind", sagt Martina Minnich (31) vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien, "da es nicht möglich ist, die Plasmazellen in vitro, also in der Zellkulturplatte, zu kultivieren, und auch die Vorläuferzellen sind nur für ein paar Tage in Kultur zu halten".

In einem fünfjährigen Projekt wurde dieser Prozess nun am IMP untersucht, insbesondere der Einfluss des Genregulators Blimp1. Die Ergebnisse der Studie, die auf Minnichs Dissertation beruht, wurden im Jänner im Journal Nature Immunology veröffentlicht.

Minnich identifizierte zunächst – gemeinsam mit dem Team um Meinrad Busslinger – in Studien an Mauszellen jene Gene, die an der Bildung von Plasmazellen beteiligt sind. "Durch Bindungsanalysen haben wir festgestellt, dass mehr als Hälfte dieser Gene von Blimp reguliert werden", sagt Minnich. Blimp1 kontrolliert demnach etwa die Entstehung der Plasmazellen aus den B-Zellen, ihre Wanderung ins Knochenmark oder die Hochregulierung der Antikörperproduktion. Blimp1 stellte sich somit, recht überraschend, als zentraler und multifunktionaler Faktor heraus.

Bisher war angenommen worden, dass Blimp1 nur das Programm der B-Zelle – aus dieser entwickelt sich nämlich die Plasmazelle – ausschaltet. "Dass Blimp1 auch Gene einschalten oder aktivieren kann, war absolut neu", sagt Minnich. Die Ergebnisse sind auch für die Krebsforschung interessant, denn durch Mutationen des Blimp1-Gens können etwa aus den B-Zellen bösartige Tumorzellen – ein sogenanntes Lymphom – hervorgehen, da die Ausdifferenzierung der B-Zellen zu Plasmazellen nicht mehr möglich ist. Eine Forschungsgruppe in Melbourne, mit der das IMP-Team kooperierte, zeigt außerdem, dass auch die reife Plasmazelle Blimp1 benötigt, damit sie Antikörper produzieren kann.

Wie viele Laborstunden in dem Dissertationsprojekt stecken? "Das ist echt schwierig zu sagen", lacht Minnich und schätzt: "50 bis 60 Stunden pro Woche, und das über fünf Jahre." Es sei ein zeitintensiver Beruf, "aber auch ein sehr schöner, abwechslungsreicher und spannender". Motivierend sei dabei das "junge, dynamische und kritische Umfeld am IMP". In ihrer Freizeit treibt sie dafür viel Sport und spielt Tennis: "Da bekomme ich meinen Kopf ein bisschen frei."

Zum IMP kam die Molekularbiologin über ihre Diplomarbeit an der Universität Wien, für die sie einen anderen Genfaktor – PU.1 – untersuchte. "Eigentlich wollte ich danach ins Ausland", aber dann ergab sich 2009 das Dissertationsprojekt am IMP. "Das konnte ich nicht ausschlagen, schließlich gibt es europaweit nicht viele Institute von dieser Qualität", so Minnich, die auch für ein weiteres Projekt am IMP bleibt: "In unserem nächsten Projekt geht es um die Immuntherapie und die Immunmodulation – kurz: um den Kampf gegen Krebs."

Was nach diesen weiteren drei Jahren kommt, weiß die Jungwissenschafterin noch nicht: "Ich plane immer von Projekt zu Projekt. Anders ist es eigentlich auch nicht möglich." (Heidemarie Weinhäupl, 10.2.2016)

  • Martina Minnich studiert Prozesse, die auch für die Krebsforschung interessant sind.
    foto: imp

    Martina Minnich studiert Prozesse, die auch für die Krebsforschung interessant sind.

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