"Ich, Feuerbach": Vom Ende einer Schauspielkarriere

9. Februar 2016, 15:36
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Tankred Dorsts Stück im Innsbrucker Kellertheater

Als zu Beginn Feuerbach in kompletter Dunkelheit auf die Bühne stolpert, forsch nach Licht verlangt und aufgebracht in der Finsternis die Frage stellt, ob er denn gesehen werde, richtet sich jene an Regisseur Lettau, bei dem Feuerbach für eine Rolle vorsprechen will. Doch der Regisseur lässt auf sich warten, stattdessen trifft der betagte Schauspieler, der den Zenit seiner Karriere längst überschritten hat, auf einen jungen Regieassistenten (überzeugend und mit Verve: Benjamin Lang). Dieser hat überschaubare Erfahrung, aber umso konkretere Vorstellungen von Theater.

So gibt Feuerbach vor dem Jungspund anfänglich den Star, beschimpft und beleidigt ihn, breitet später sein Leben vor ihm aus, bis er schließlich auf Knien um die Rolle winselt. Es kommt dann noch ein Hund ins Spiel. Kläffend und hechelnd im Käfig hereingetragen von einer schüchternen Frau (Ayla Antheunisse).

Florian Eisner hat Tankred Dorsts Ich, Feuerbach – das erniedrigende, demaskierende Ende einer Schauspielerkarriere – für das Innsbrucker Kellertheater inszeniert. Günter Gräfenberg in der Rolle des alternden und verzweifelt auf Jobsuche befindlichen Mimen zieht alle Register. Und das mit Bravour.

Er poltert cholerisch, bis ihm sein hochroter Kopf zu platzen droht, schlägt dann wieder ganz leise und berührende Töne an, gibt sich spitzbübisch wie ein zu groß geratener Pumuckl oder faltet sich bescheiden auf einen Stuhl, die Beine ineinander verknotet und sich selbst mit den Armen umschlingend. Der vorbereitete Tasso-Monolog, der ihm eigentlich die begehrte Rolle einbringen sollte, kommt dann gekonnt in einer Manier daher, die eher nicht erfolgsversprechend ist. Am Ende zieht er resigniert, geknickt von dannen. Chapeau! (dns, 9.2.2016)

Innsbruck, Kellertheater. Bis 27.2.

  • Günter Gräfenberg sucht als Mime einen Job,  Ayla Antheunisse spielt eine schüchterne Frau.
    foto: kellertheater innsbruck

    Günter Gräfenberg sucht als Mime einen Job, Ayla Antheunisse spielt eine schüchterne Frau.

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