Beyoncé: Klassenkampf in Gold und Leder

9. Februar 2016, 17:14
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Die Sängerin hat ihren Auftritt bei der Super Bowl geschickt dazu genutzt, nicht nur ihr symbolisches Kapital zu vermehren

In der Geschichte der Soulmusik ist es seit den Tagen der Bürgerrechtsbewegung in den USA der 1960er-Jahre gang und gäbe, gesellschaftliche Kritik oder Utopien zu formulieren. Und auch der Hip-Hop bringt politische Analyse und starke Gefühle bezüglich der miesen sozialen Gesamtsituation nicht erst seit den Tagen Public Enemys auf den Punkt.

Wenn allerdings 2016 einer der letzten großen Pop-Superstars wie Beyoncé auch einmal ein wenig Klartext in Sachen afroamerikanisches Selbstverständnis, Alltagsrassismus, Polizeigewalt und Stolz auf die eigene Herkunft koloraturjodelt, dann geht ein Raunen durch die Medienlandschaft: breite gesellschaftliche Debatte!

Im Wesentlichen aber hat Beyoncé am Wochenende ihren Auftritt bei der Super Bowl in Santa Clara nur geschickt dazu genutzt, mittels ihrer tags zuvor ins Netz gestellten neuen Single Formation nicht nur ihr symbolisches Kapital zu vermehren. In der geht es eben auch um oben beschriebene Themen, umgesetzt mit den Mitteln des Pops und des Synchrontanzes. Dass in den US-Medien aber jetzt deswegen eine große inhaltliche Auseinandersetzung stattfinden würde, kann man definitiv nicht behaupten.

hilaryduffmusic

Wichtiger waren und sind seit dem Sonntag die Frage, warum sie auf der Bühne stolperte, sowie jene nach Beyoncés vermeintlichem Babybauch. Kommt da nach der Geburt einer Tochter 2012 gar ein neues Kind?

Die 1981 in Texas geborene Beyoncé Knowles-Carter ist ehemalige Sängerin des Soul-Schlagertrios Destiny’s Child. Mit diesem verkaufte sie 200 Millionen CDs. Seit 2008 ist sie die Frau des Hip-Hop-Moguls Jay-Z, der sie 2013 übergriffig auf ihrem Soloalbum Beyoncé dazu aufforderte, von ihm selbst besonders wertgeschätzte Körperteile zu verspeisen. Sonst setze es Schläge. Privat bewegt sie sich trotz als feministisch gelesener Hymnen wie Girls oder Me, Myself & I in eher sozialkampffernen Kreisen. Verhaltensoriginelle Leute wie Kim Kardashian zählen zu den engsten Freunden.

Alles ist sehr kompliziert. Gerade spendeten sie und ihr Mann 1,5 Millionen Dollar zur Unterstützung bedürftiger afroamerikanischer Frauen und Kinder. In dieser Welt ist alles möglich. Ein Leben im Luxus und mit steuerlichen Vorteilen muss ja nicht ausschließen, dass man gegen die Polizei wettert und für den radikalen Bürgerrechtler Malcolm X eintritt. Das nächste Album und eine Welttour kommen bestimmt. (Christian Schachinger, 9.2.3016)

  • Beyoncé sorgte bei der Super Bowl für Erregung.
    foto: apa/afp/timothy a. clary

    Beyoncé sorgte bei der Super Bowl für Erregung.

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