Wiener Leerstandsagentur: Zuschlag für Soho in Ottakring und Urbanauts-Gründer

9. Februar 2016, 12:59
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Verband aus Kunstkollektiv und Designbüro soll unter dem Namen "Kreative Räume" leerstehende Orte in Wien zur Zwischen- und Nachnutzung vermitteln. Das Budget dafür beträgt für die kommenden drei Jahre 450.000 Euro

Wien – Die Gemeinde Wien ist bei ihrer Suche nach einer städtischen Serviceagentur, die sich der "nachhaltigen Belebung von leerstehenden Räumen" widmen soll, fündig geworden. Ein Konsortium aus dem Kunst- und Stadtteilprojekt Soho in Ottakring und dem Ingenieur- und Designbüro Kohlmayr/Lutter/Knapp soll künftig unter dem Namen "Kreative Räume" als Beratungs- und Vernetzungsplattform für Raumsuchende und Raumanbieter agieren.

Der Entscheidung ging ein zweistufiges, internationales Verhandlungsverfahren nach dem Bundesvergabegesetz voraus; die Partnerschaft wurde nun mit einem Vertrag über die kommenden drei Jahre und einem Budget von 450.000 Euro besiegelt. Ausschlaggebend für den Zuschlag war laut Aussendung von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) die "langjährige Erfahrung von Soho-Koordinatorin Ula Schneider, Immobilienbesitzer von temporären Nutzungen zu überzeugen" und die "kreativen Erdgeschosßnutzungen" von Kohlmayr/Lutter/Knapp – etwa das Hotelprojekt Urbanauts –, mit denen sich das junge Label auch international einen Namen gemacht habe.

Zwischen- und Nachnutzung

Die Finanzierung des Projekts übernehmen zu gleichen Teilen die städtischen Geschäftsgruppen Kultur, Stadtentwicklung und Wirtschaft. Die Stadt will die Arbeit von "Kreative Räume" laufend begleiten und evaluieren. Als Fördereinrichtung oder Anmieterin wird die neue Serviceagentur nicht fungieren. Ihr vorrangiges Ziel sei es, "mehr Bewusstsein und Vertrauen für die Zwischen- und Nachnutzung von Leerständen aufzubauen".

Konkret gehe es um Beratung, Konzipierung und Vernetzung einschlägiger Interessenvertretungen und letztendlich die Vermittlung zwischen Immobilienbesitzern, deren Lokale und Räumlichkeiten ungenutzt bleiben, und Kulturschaffenden, Unternehmen und Grätzelinitiativen, die Orte zur Realisierung ihrer Vorhaben suchen. (mcmt, 9.2.2016)

Über die Bestbieter

Soho in Ottakring wurde 1999 im gleichnamigen Wiener Gemeindebezirk mit dem Ziel der "offensiven Nutzung des öffentlichen Raumes" gegründet. Greifbar wird die Arbeit des Stadtteilprojekts im Rahmen des Soho-Festivals, das bis 2012 jedes Jahr im Mai im Brunnenviertel stattfand und seither zweijährlich im Ottakringer Stadteil Sandleiten veranstaltet wird. Realisiert werden die Ausstellungen, Installationen, Filmvorführungen und ähnliche Projekte sowohl an Orten klassischer Kunstvermittlung als auch in leerstehenden Lokalen und Räumen.

Das Ingenieur- und Designbüro Kohlmayr/Lutter/Knapp agierte bisher vor allem als Veranstalter und Berater. Das Unternehmen trat etwa als Mitbegründer von Urbanauts in Erscheinung, einem Projekt mit dem Untertitel "graetzlhotels", für das ehemalige Geschäftslokale in Hotelzimmer umgewandelt wurden. Ein ähnliches Konzept wird mit dem Projekt "Betonküche" verfolgt, das leerstehende Räume temporär zu Restaurants macht.

  • Leerstehende Lokale und Räume gibt es in Wien genügend – die neue Leerstandsagentur soll helfen, sie mit Kulturprojekten, Unternehmen und Grätzelinitiativen zu befüllen.
    foto: regine hendrich

    Leerstehende Lokale und Räume gibt es in Wien genügend – die neue Leerstandsagentur soll helfen, sie mit Kulturprojekten, Unternehmen und Grätzelinitiativen zu befüllen.

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