Die Wünsche der mittelkleinen Fußballer

8. Februar 2016, 18:56
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ÖFB-Boss Windtner traf seine Kollegen aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Liechtenstein

Wien – "M" steht für "Mitten in Europa" oder "mittelklein", vielleicht bedeutet es "Mitglied", sicher nicht "mittelmäßig" oder "mitleiderregend". Die Zahl sechs hinter dem M ist unstrittig, es handelt sich um die Fußballverbände von Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Österreich. Bei der Gründung vor drei Jahren waren es nur fünf, Liechtenstein wurde dazugenommen, was Hugo Quaderer, den Verbandschef, freut. "Eine Ehre, wir wollen lernen, aber wir sind nicht mittelklein, sondern klein."

ÖFB-Boss Leo Windtner war in diesem Jahr in Wien der Gastgeber, Sinn des Treffens ist, Gedanken auszutauschen, Probleme anzusprechen. Die ursprünglichen fünf haben sich allesamt für die EM in Frankreich qualifiziert. Zbigniew Boniek, Polens Präsident, sagte: "Das ist ein Zeichen von Qualität." Die Veranstaltung ist harmonisch verlaufen, die gemeinsame Pressekonferenz hatte fast romantischen Charakter.

ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner hatte davor die Gäste mit einem Vortrag über den österreichischen Weg, der das Nationalteam auf Platz zehn der Weltrangliste geführt hat, verwöhnt. Ungarns Boss Sandor Csanyi zeigte sich schwer begeistert: "Das war kein Zufall, dahinter steckte harte Arbeit. Wir sind leider um einige Jahre zu spät dran." Für die EM-Partie am 14. Juni in Bordeaux sei das "hoffentlich egal. Österreich ist Favorit, aber es ist alles möglich. Beide Teams sollen die Gruppenphase überstehen."

Sechs für Infantino

Die sechs Herren werden am 26. Februar in Zürich bei der Wahl des Fifa-Präsidenten für den Schweizer Gianni Infantino stimmen. Sie gehen davon aus, dass sich alle europäischen Verbände auf den aktuellen Generalsekretär der Uefa einigen. "Europa muss endlich geschlossen auftreten", fordert das Sextett. Den M6 ist gemein, dass sich in den jeweiligen nationalen Ligen der Publikumszustrom in Grenzen hält. Windtner führt das auf "die schlechte Infrastruktur" zurück. "Natürlich spielt Geld eine Rolle."

Polen hat seit der Heim-Euro 2012 intakte Stadien. Boniek: "Die wirtschaftliche Situation ist sicher ein Problem, der Abstand zu England, Deutschland oder Spanien wächst. Es geht darum, wenig Geld intelligent einzusetzen." Er verwies darauf, "dass der beste Mittelstürmer der Welt ein Pole ist". Gemeint ist Robert Lewandowski. Auch der Tscheche Miroslav Pelta und der Slowake Jan Kovacik warnten vor der wachsenden Kluft, Windtner drückte es so: "Der europäische Fußball ist zur Solidarität verpflichtet, muss die Mittelkleinen und Kleinen leben lassen. Immerhin liefern sie viele Spieler für die Großen."

Der Liechtensteiner Quaderer freut sich schon aufs nächste Treffen, es findet 2017 in Polen statt. "Irgendwann wollen auch wir mittelklein sein." (hac, 8.2.2016)

  • Die Präsidenten der nationalen Fußballverbände: (von links nach rechts): Hugo Quaderer (Liechtenstein), Zbigniew Boniek (Polen), Leo Windtner (Österreich), Sandor Csanyi (Ungarn), Mirsolav Pelta (Tschechien) und Jan Kovacik (Slowakei)
    foto: apa/neubauer

    Die Präsidenten der nationalen Fußballverbände: (von links nach rechts): Hugo Quaderer (Liechtenstein), Zbigniew Boniek (Polen), Leo Windtner (Österreich), Sandor Csanyi (Ungarn), Mirsolav Pelta (Tschechien) und Jan Kovacik (Slowakei)

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