Pro und Kontra: Aus für 500-Euro-Scheine?

Kommentar8. Februar 2016, 18:01
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Sollen die 500-Euro-Scheine abgeschaffen werden, weil diese angeblich primär für kriminelle Geschäfte genutzt würden?

foto: apa/dpa/matthias balk

Pro: Zur Betrugsbekämpfung

Es ist doch ganz klar: Scheine mit einem Wert von 500 Euro dienen nur kleinen und größeren Kriminellen. Solche Scheine wechseln in der Regel nur bei dubiosen Gelegenheiten den Besitzer, im Zuge von Zuhälterei, Drogen- oder Waffenhandel. 500-Euro-Scheine werden von Leuten verwendet, die etwas zu verbergen haben. Denn die Scheine können prima zur Geldwäsche verwendet werden; wegen des hohen Werts lassen sich enorme Summen ganz einfach in kleinen Koffern transportieren.

Ganz ähnlich verhält es sich beim Bargeldlimit: Wer Rechnungen über 5.000 Euro in bar bezahlen will – vielleicht gar in 500-Euro-Noten –, ist entweder bescheuert oder er hat das Geld aus undurchsichtigen Quellen, oft aus nicht versteuerten Tätigkeiten. Jeder andere überweist den geforderten Betrag übers Bankkonto.

Die beiden angedachten Maßnahmen – Einführung eines Bargeldlimits und Ablöse des 500-Euro-Scheins – sind logisch und einfach zu exekutieren. So wie bei der Abschaffung des anonymen Sparbuchs wird die Auflehnung dagegen ("Wieder ein Schritt zum gläsernen Staatsbürger") binnen kürzester Zeit verebben. Denn bei der Abschaffung der Sparbuchanonymität war vor allem die vermögende Tante lautstark dagegen gewesen, obwohl sich für sie als Sparerin genau nichts änderte.

Genauso ist es jetzt. Niemand zahlt mit 500-Euro-Scheinen – und ein Bargeldlimit kratzt auch keinen. (Johanna Ruzicka)

Kontra: Wahlfreiheit im Geldbörsel

Wer glaubt, die Schattenwirtschaft könne mittels Abschaffung des 500-Euro-Scheins wirksam bekämpft werden, ist naiv. Oder ignorant. Denn bezahlt wird der Pfuscher in der Regel mit kleinen Scheinen – auch bei größeren Beträgen. Schon deshalb, weil aus dem gemeinen Bankomaten gar keine Fünfhunderter herauskommen. Wer die rosa-lila Scheine haben will, muss sich beim Bankschalter anstellen. Wenig attraktiv sind die 500er-Scheine für Otto Normalverbraucher, weil er sie im normalen Leben kaum wieder loswird, weil sich Bäckerei, Supermarkt oder Trafik nicht als Wechselstuben sehen.

Gut möglich, dass sich der Herstellungsaufwand für den 500er nicht lohnt, weil die wenigsten Verbraucher – schon aus Sicherheitsgründen – je damit herumspazieren. Sollte dies der wahre Grund für die diskutierte Abschaffung dieser Banknote sein, dann soll man dies offen sagen, statt Verbraucher als altmodisch zu verunglimpfen oder zu kriminalisieren. Man muss nicht das Horrorbild des gläsernen Menschen bemühen, um zu wissen, dass dank fortschreitender Vernetzung nicht nur die Geldinstitute auf den Cent genau wissen, wofür die Menschen ihr Geld ausgeben.

Schwarzgeld lässt sich so sicher nicht zurückdrängen. Denn Geldwäscherei im großen Stil erfolgt nicht über Käufe mit Bargeld, sondern über Aktienkäufe oder Immobiliendeals. Daran ändern auch Limits für Barzahlungen wenig. In diesem Sinne: Es lebe die Wahlfreiheit im Geldbörsel.

(Luise Ungerboeck, 8.2.2016)

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