Manning: Einer für die Annalen, keiner für die Emotion

Kopf des Tages8. Februar 2016, 17:32
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Peyton Manning holt als erster Quarterback mit zwei verschiedenen Teams die Super Bowl. Geglänzt hat er dabei nicht unmittelbar

Auch Lichtgestalten können im Schatten stehen. Peyton Manning ist so eine Gestalt. Natürlich werden jetzt die Rekorde hinauf- und hinuntergebetet, die der Footballer fixiert hat. Doch Manning, genannt "Sheriff", ist auch am Sonntag in der 50. Super Bowl keiner zum Mitfiebern geworden, keiner, der emotionalisiert.

Seriös ist er, verlässlich ist er. Und Star-Quarterback ist einer, der als Nestor auf dieser Position ein Endspiel erreicht, ja automatisch. Jetzt hat es Manning, kurz vor seinem 40. Geburtstag, erneut gewonnen. Als erster Quarterback holte er die Super Bowl mit zwei verschiedenen Teams. Der erste Sieg mit den Indianapolis Colts liegt neun Jahre zurück.

Aber, aber, aber. Aber Manning hat weder der Saison noch der Super Bowl seinen Stempel aufgedrückt. Er warf am Sonntag keinen einzigen Touchdownpass. Als wertvollster Spieler (MVP) der Saison war – bereits am Tag vor dem Endspiel – Cam Newton ausgezeichnet worden, der Quarterback der danach mit 10:24 unterlegenen Carolina Panthers. Kein Wunder also, dass ein Abwehrspieler, Mannings Teamkollege Von Miller, zum MVP der Super Bowl gekürt wurde.

Family Business

Manning stammt aus einer Footballfamilie, aus einer Quarterback-Dynastie. Sein Vater Archie spielte von 1971 bis 1982 für die Saints in New Orleans, deshalb sind Peyton und sein fünf Jahre jüngerer Bruder Eli dort geboren. Eli, der zwei Super-Bowl-Siege feierte, wurde nun von Peyton eingeholt. Es kursiert ein Video, das Eli zeigt, als das Team seines Bruders am Sonntag entscheidend punktet – und Eli, inmitten jubelnder Menschen, verzieht keine Miene.

Vielleicht kann ja der dritte Bruder vermitteln. Cooper ist der Älteste, er hörte mit Football verletzungsbedingt früh auf. Ihm zu Ehren trägt Peyton dessen Nummer 18. Er selbst versäumte nach vier Operationen an der Halswirbelsäule die Saison 2011. Danach kursieren Dopinggerüchte – während seiner Pause soll Manning das Wachstumshormon HGH bezogen haben, die National Football League (NFL) untersucht.

Ashley hat Peyton Manning ganz zu Beginn seiner Karriere kennengelernt, 2001 wurde geheiratet, 2011 kamen die Zwillinge Marshall und Mosley zur Welt. Der Herr Vater hat an NFL-Löhnen 225 Millionen Euro verdient, 150 Werbemillionen kommen dazu. Manning könnte zurücktreten. Er hat sich Bedenkzeit erbeten, wird eine Entscheidung treffen, wird sie verkünden. Seriös, verlässlich, im Licht der Scheinwerfer. (Fritz Neumann, 8.2.2016)

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    foto: apa/afp/getty images/patrick smi
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