Ian Fisher: Country ist mehr als nur ein Land

8. Februar 2016, 15:55
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Mit der U-Bahn nach Nashville. Am Donnerstag geht das. Der gebürtige US-Amerikaner präsentiert sein neues Album "Nero" in der Wiener Arena

Wien – Normalerweise verläuft der Weg umgekehrt: Bleiche Europäer mit dem Herzen voller Sehnsucht nach einem zusehends verlorengehenden Bild von Amerika fliegen über das große Wasser, um ihre Träume anhand eines Realitychecks bestätigen oder platzen zu lassen. Lange Highways durchs Hinterland, einsame Diner im Nirgendwo, dort ein sonnengebleichter Rinderschädel, da ein Cowboy mit gebrochenem Herzen. Und aus dem Radio ertönt die ganze Zeit die richtige Musik. Wer einmal dort war, weiß, das wird schwierig.

Die Musik aber, die könnte zum Beispiel von Ian Fisher stammen. Doch der ist den umgekehrten Weg gegangen. Den aus Missouri gebürtigen US-Amerikaner hat es nach Europa gezogen, um hier, zwischen Wien und Berlin, Musik zu machen, für die er nicht so weit hätte reisen müssen. Man muss ihn also als Exzentriker einschätzen.

snowstarrecords

Ian Fisher spielt Country. Oder sagen wir, Reformcountry. Jene Spielart dieser prächtigen Hinterwäldlermusik, die sich nach dem Besuch eines Colleges einstellt. Könnte aber nur ein Klischee sein. Immerhin arbeitete Kurt Wagner als Bodenleger, bevor er mit Lambchop die Welt im Sitzen eroberte. Ian Fisher steht ästhetisch in Nähe von Lambchop. Eben veröffentlichte er sein Album Nero, am Donnerstag präsentiert er es live in der Wiener Arena, gemeinsam mit Bo Candy & His Broken Hearts und Bernhard Eder. Wobei er die Zeitlupe nicht als oberste Auflage nimmt. Ein Titel wie Almost Darlin' stolpert recht fidel auf den Squaredancefloor, da gibt's nix.

Ansonsten fühlt er sich im abgebremsten Format wohl. Dort entwickelt er seine kleinen Geschichten über Hoffnungen und Enttäuschungen und warum es trotzdem weitergeht, solange es geht. Wem also nach einem Abstecher nach Nashville ist, muss am Donnerstag nur mit der U-Bahn nach Erdberg fahren. Man kann sogar das Pferd nehmen. Yeeha! (Karl Fluch, 8.2.2016)

Ian Fisher, CD-Präsentation (mit Bo Candy & His Broken Hearts und Bernhard Eder), 11.2., Arena, Baumgasse 80, 20.00

  • Der US-Amerikaner Ian Fisher spielt Country. Dafür ist er von Missouri nach Berlin gezogen. Das ist seltsam, aber schön. Am Donnerstag gastiert er in Wien.
    foto: marie weikopf

    Der US-Amerikaner Ian Fisher spielt Country. Dafür ist er von Missouri nach Berlin gezogen. Das ist seltsam, aber schön. Am Donnerstag gastiert er in Wien.


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