Netzneutralität: Indien verbietet Facebook kostenlosen Internet-Service

8. Februar 2016, 14:54
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Telekomregulator spricht sich gegen sogenannte "Zero Rate"-Angebote aus

Mit einem Angebot namens "Free Basics" wollte Facebook in Indien weiter Fuß fassen und versprach in Zusammenarbeit mit Mobilfunkern den Usern kostenlosen Internetzugang. Der Haken an der Angelegenheit: Der Gratis-Zugang als Bestandteil der Initiative "internet.org" bezog sich nur auf Web-Services und Portale, die in dem Paket enthalten waren. Neben Facebooks eigenem Netzwerk waren dies etwa verschiedene Nachrichten- und Informationsquellen.

Das "Zero Rate"-Konzept rief allerdings schnell Verfechter der Netzneutralität auf den Plan. Netzneutralität besagt, dass jeglicher Datenverkehr von den Providern gleichberechtigt behandelt werden muss. Dass also für den Aufruf bestimmter Seiten kein Trafficvolumen abgerechnet wird und für andere schon, sehen diese im Widerspruch zu dieser Idee.

TRAI setzt Netzneutralität durch

Auch als Folge des öffentlichen Drucks und der medialen Aufmerksamkeit entwickelte sich eine lange währende Auseinandersetzung zwischen Facebook und dem Telekom-Regulator TRAI. Dieser hat nun in einer Entscheidung der Behörde zumindest ein vorläufiges Ende gefunden. Die Behörde hat die Free Basics nun offiziell verboten, berichtet die BBC.

Die TRAI hat sich in ihrer Entscheidung explizit auf die Netzneutralität berufen. Zuckerberg hatte im Vorfeld stets mit den humanitären Aspekten der Free Basics argumentiert, unter anderem sogar in einem Meinungsstück in der Times of India. Gegner warfen Facebook Unehrlichkeit vor und argumentierten auch damit, dass die willkürliche Auswahl bestimmter Webseiten deren Wettbewerb untereinander verzerre.

Das Urteil des Regulators dürfte folgen haben, denn Facebook betrieb nicht das einzige "Zero Rate"-Angebot am indischen Markt. Und die Frage hinsichtlich derlei Verstößen gegen die Netzneutralität stellt sich auch nicht nur in Indien.

"3" weiter mit Spotify-Paket

In den USA ist etwa T-Mobile in der Kritik, weil es im Tarif "Binge On" Zugriff auf bestimmte Videodienste gewährt, ohne Traffic abzurechnen.

In Österreich hatte sich Telekomanbieter "3" vor zwei Jahren Kritik eingehandelt. Man hatte eine Kooperation mit dem Musikstreaming-Dienst Spotify angekündigt, dessen Datenverkehr ebenfalls nicht vom Gesamtkontingent des Tarifs abgezogen wird. Das Paket ist auch heute noch im Angebot zu finden. (gpi, 08.02.2016)

  • Lange hat Facebook für die Free Basics kampagnisiert, nun ist der Konzern vor der TRAI gescheitert.
    foto: facebook

    Lange hat Facebook für die Free Basics kampagnisiert, nun ist der Konzern vor der TRAI gescheitert.

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