Prozess in Korneuburg um Missbrauch von Nachbarskindern

8. Februar 2016, 12:27
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50-Jähriger bekannte sich nicht schuldig

Korneuburg – Wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen hat sich am Montag ein 50-Jähriger vor einem Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg verantworten müssen. Er soll sich an drei Nachbarskindern, einem Buben und zwei Mädchen, vergangen haben. Der gebürtige Deutsche, seit dem Sommer 2015 in U-Haft, bestritt die Vorwürfe vehement und bekannte sich nicht schuldig.

Laut Anklage haben sich die Übergriffe – von Berührungen der Mädchen bis zum Analverkehr bei deren älterem Bruder – von Herbst 2013 bis Juli 2015 zugetragen, wenn die Kinder der Bekannten – wie der Angeklagte Hausmeister in einer Wohnanlage im südöstlichen Wiener Umland – bei dem Mann und seiner Lebensgefährtin übernachteten. Zu einem Vorfall sei es im Haus des Beschuldigten in der Slowakei gekommen. Als sich der heute 14-Jährige Anfang Juli 2015 seinem Vater anvertraute, flog die Causa durch die folgende Anzeige auf. Die Staatsanwältin stützte die Vorwürfe auf übereinstimmende Aussagen der Geschwister in deren kontradiktorischen Einvernahmen.

Hingegen verwies die Verteidigung darauf, dass die Mutter der Kinder wiederholt bereits mehrere Personen in dem Gemeindebau angezeigt hätte. Ein Mädchen habe seine Aussage widerrufen, der Bub gelte als verhaltensauffällig.

Angeklagter bestritt Vorwürfe

"Ich weiß es nicht." Der Angeklagte, Vater einer zweijährigen Tochter, konnte sich die Anschuldigungen gegen ihn nicht erklären und vermutete, die Kinder seien von ihrer Mutter dazu angestiftet worden. Kurz vor seiner Verhaftung – eine Woche zuvor hatte sich seine Lebensgefährtin von ihm getrennt – habe es einen Streit gegeben, meinte er.

Kennengelernt und angefreundet hatte man sich 2010, erzählte der Mann von gemeinsamen Unternehmungen wie Ausflügen. Er übernahm dann auch als Karenzvertretung den Hausmeisterposten der Frau, die ein viertes Kind bekam. Die Kinder seien zu ihm in die Wohnung gekommen und hätten ferngesehen, er habe mit ihnen Hausaufgaben gemacht.

Zur Sprache kam auch, dass der Bub, ein Sonderschüler, in psychotherapeutischer Behandlung war. Einmal habe er sich beim Spazierengehen die Hose heruntergezogen, schilderte die Ex-Lebensgefährtin auf Richterfrage nach allfällig auffälligem Verhalten des Buben. Sowohl sie als auch ihre ältere Schwester, die Jahre zuvor mit dem Beschuldigten verheiratet gewesen war, gab an, nie irgendwelche pädophilen Neigungen bei ihrem Partner bemerkt zu haben. Man habe viel gestritten, nannte die Zeugin als Trennungsgrund.

Ein Bekannter des Angeklagten gab an, die Mutter der Kinder hätte ihm erzählt, dass sie eine mehr oder minder falsche Anzeige gegen den 50-Jährigen plane, weil er immer "so streng" zu ihrem Sohn sei. Nach einer Reihe von Zeugen u.a. aus der Wohnanlage, die allerdings mehr vom Hörensagen berichten konnten als Tatsachen, wurde in Abwesenheit des Angeklagten dann die Mutter der Kinder befragt.

Nach Angaben der Frau schilderten die Kinder ihr und ihrer Freundin, was sie erlebt hätten. So habe etwa die jüngere Tochter gesagt, er habe ihr in der Nacht die Hose heruntergezogen und sie angegriffen. Es habe "wehgetan", meinte auch der Sohn, demzufolge der Angeklagte einmal ein Kondom verwendete und einmal nicht. Ihre Kinder seien in der Schule schlechter geworden, hätten bei jeder Kleinigkeit geweint und Angst, wenn sie den Namen des Mannes hören, sagte die Zeugin. Ihr Mann gab an, dass die Kinder plötzlich nicht mehr dort übernachten wollten. Dann sei sein Sohn "ganz verstört" gewesen – bei der Befragung seiner Kinder war er nicht dabei.

Eine Freundin der Zeugin und Taufpatin einer Tochter war vor Gericht sehr betroffen, als sie die Darstellungen der Kinder über den erlittenen Missbrauch wider gab. Einen Streit um den Hausbesorgerposten habe es ihres Wissens nicht gegeben. Zu einem Urteil sollte es heute nicht mehr kommen – die Verhandlung dürfte am Nachmittag vertagt werden. (APA, 8.2.2016)

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