Lawinengefahr bleibt in Österreich teils erheblich

8. Februar 2016, 10:26
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Im Westen oberhalb von 2.000 Metern verbreitet Stufe "3" – In Übergangsbereichen von viel zu wenig Schnee gebietsweise auch Stufe "4"

Innsbruck/Bregenz/Wien – Nach mehreren Lawinenabgängen in Westösterreich am Wochenende, darunter das schwere Unglück in Tirol mit fünf Toten am Samstag, bleibt die Lawinengefahr erheblich. In Tirol stuften die Experten des Lawinenwarndienstes die Gefahr oberhalb von etwa 2.000 Metern verbreitet mit Stufe "3" der fünfteiligen Skala ein.

Vor allem frische Triebschneeansammlungen seien störanfällig und könnten schon durch geringe Zusatzbelastung als Lawinen ausgelöst werden. Aufgrund des sehr schwachen Fundaments der Schneedecke könnten ausgelöste Lawinen auch gefährlich groß werden, warnten die Experten.

Die Gefahrenstellen würden in steilen Hängen aller Richtungen oberhalb von etwa 2.000 Metern liegen. Besonders an den Übergängen von viel zu wenig Schnee ließen sich Lawinen sehr leicht auslösen. In diesen Bereichen entspreche die Auslösewahrscheinlichkeit oft schon der Stufe "4", teilte der Lawinenwarndienst mit. Zudem seien auch Selbst- und Fernauslösungen von Lawinen möglich und dies auch im flachen Gelände. Skitouren und Variantenfahrten würden daher Erfahrung in der Beurteilung der Lawinensituation erfordern. Die Tourenmöglichkeiten seien eingeschränkt.

Ein einsamer Ski und mehrere Skispuren im Anrissbereich einer Lawine beim Gaislachkogel haben in Sölden (Bezirk Imst) eine Suchaktion ausgelöst. Die Rettungsmannschaften konnten jedoch laut Polizei keinen Verschütteten finden. Der Besitzer des entdeckten Ski sei bisher nicht bekannt. Insgesamt 67 Mitglieder der Bergrettung, der Alpinpolizei sowie freiwillige Helfer suchten den Lawinenkegel zunächst mithilfe von Lawinenverschüttetensuchgeräten ab. Nachdem dies erfolglos blieb, wurde in weiterer Folge mit Sondierketten und Hunden nach möglichen Verschütteten gesucht. Der Einsatz wurde schließlich gegen 17.00 Uhr ergebnislos abgebrochen.

Auch in Vorarlberg wird die Lawinengefahr bereits ab etwa 2.000 Metern mit Stufe "3", also "erheblich", angegeben. Der zeitweise stürmische Wind am Sonntag hat laut Lawinenwarndienst weiteren Triebschnee verfrachtet, Neuschnee in der Nacht habe die Gefahrenstellen dann überdeckt. Diese seien nun schwer erkennbar, warnten die Experten am Montag.

Von umfangreichen Triebschneeansammlungen ginge am Montag auch die Hauptgefahr für Wintersportler aus, betonte die Landeswarnzentrale. Vor allem oberhalb von 2.000 Metern in Steilhängen, eingewehten Rinnen und Mulden sei die Gefahr hoch. Bereits ein einzelner Tourengeher könnte im Triebschnee Lawinen auslösen, hieß es. Umfang und Größe dieser Gefahrenstellen würden oberhalb der Waldgrenze und im Tagesverlauf zudem noch zunehmen.

Möglich sind in Vorarlberg laut Experten auch vereinzelte Selbstauslösungen von Schneebrettlawinen aus stark eingewehten Hangzonen. Wenn Lawinen in den Basisschichten an- bzw. auf diese durchbrechen, könnten sie auch größere Ausmaße annehmen. Zudem sei die Gefahr von Gleitschneelawinen in tieferen Lagen weiterhin schwierig einzuschätzen, teilte Andreas Pecl vom Lawinenwarndienst mit. Die Situation würde sich auch in den kommenden Tagen nicht wesentlich ändern.

In Salzburg gilt verbreitet Lawinenwarnstufe 3 ("Erheblich"), nur in den Grasbergen und in der Osterhorngruppe ist die Situation etwas günstiger. Hier wies der Salzburger Lawinenlagebericht am Montagvormittag Salzburg Stufe 2 ("Mäßig") aus. Das Risiko steigt mit der Höhe markant an, in den windgeschützten Lagen unterhalb der Baumgrenze ist die Gefahr laut den Experten des Lawinenwarndienstes geringer.

Aufpassen heißt es für Tourengeher und Variantenfahrer nicht nur in der Nähe der Kämme, heikle Verwehungen sind auch anderswo entstanden. Vor allem dort, wo der starke Wind den Schnee nahezu vollständig abgeblasen und in Rinnen und Mulden getragen hat, ist enorme Vorsicht geboten. Zumal der frische Neuschnee die Gefahrenstellen oft verdeckt.

Weil der Wind aus dem Süden kam, sind vor allem Hänge in den Sektoren Nordwest bis Südost heikel. In der Gegenrichtung – also auf den sonnseitigen Hängen – sind im Tagesverlauf auch einzelne Gleitschneerutsche möglich. Stoßen Skifahrer auf "Schneemäuler" – also markante Risse im Schnee – sollten Hänge gemieden werden. Schneemäuler galten früher fälschlicherweise als Garant für sichere Abfahren, als richtig hat sich vielmehr das Gegenteil herausgestellt.

In Kärnten haben Wind und Neuschnee zu Wochenbeginn ebenfalls für einen Anstieg der Lawinengefahr gesorgt. In den Hohen Tauern, in den Karnischen Alpen sowie in den Karawanken wurde die Gefahr vom Lawinenwarndienst des Landes als erheblich – Stufe drei der fünfteiligen Skala – eingestuft. Weiterer Schneefall unter starkem Wind wird erwartet, eine Entschärfung der Situation war damit nicht in Sicht.

Innerhalb von 24 Stunden waren in den Karnischen Alpen 30 Zentimeter Schnee gefallen, 20 Zenitmeter gab es in den Karawanken und zehn in den Hohen Tauern. Bei erheblicher Gefahr sind Lawinen schon bei geringer Zusatzbelastung möglich, vereinzelt kann es auch zu spontanen Abgängen kommen. Schlechte Sicht und weiterer Schneefall erschwerten die Einschätzung der konkreten Gefahr zusätzlich.

Weniger gefährlich war es am Montag in den Bergen zwischen Gail- und Drautal sowie in den westlichen Gurktaler Alpen. Hier herrschte mäßige Lawinengefahr. Weitgehend geringes Risiko gingen Wintersportler im freien Gelände der östlichen Gurktaler Alpen, auf der Sau- wie auf der Koralpe ein.

In Niederösterreichs Bergregionen wird die Lawinengefahr am Montag bis Mittag auf "mäßig" (Stufe zwei auf der fünfteiligen Skala) steigen, berichtete der Warndienst. Die Schneebrettgefahr sei gesunken, zu rechnen sei aber mit Nassschneelawinen, die sich aus steilem Gelände und Buchenwäldern spontan lösen können. Diese könnten auch exponierte Verkehrswege betreffen, wurde gewarnt.

Am Dienstagabend wird Regen in den Ybbstaler Alpen prognostiziert, die Schneefallgrenze soll rasch auf rund 1.000 Meter Seehöhe sinken. In der Nacht auf Mittwoch breitet sich der Niederschlag auf die östlichen Gebirgsgruppen Niederösterreichs aus, der Regen geht auch in tieferen Lagen in Schneefall über. Ab Mittwoch werden Probleme mit Triebschnee erwartet. (APA, red, 8.2.2016)

  • Fünf Menschenleben kostete eine Lawine am Samstag in Tirol. Die Gefahr bleibt hoch.
    foto: apa/zoom.tirol

    Fünf Menschenleben kostete eine Lawine am Samstag in Tirol. Die Gefahr bleibt hoch.

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