Zika-Virus verunsichert Schwangere

8. Februar 2016, 10:17
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Auch ein möglicher Zusammenhang mit der seltenen Lähmungskrankheit "Guillain-Barre" wird nicht ausgeschlossen

Bogota/Brasilia – Das Zika-Virus breitet sich weiter rasch aus und verunsichert vor allem werdende Mütter. Kolumbien zähle 3.177 infizierte Schwangere, gab Präsident Juan Manuel Santos am Wochenende in der Hauptstadt Bogota bekannt. Bisher seien jedoch keine Schädelfehlbildungen bei Babys in Verbindung mit einer Zika-Infektion festgestellt worden.

In Brasilien riet wiederum ein Forscher Schwangeren vom Küssen ab, denn Speichel könne das Virus möglicherweise übertragen. Beweise dafür gebe es bislang aber nicht.

In Honduras bekämpften in einer großen Kampagne bis zu 30.000 Menschen die Zika-Mücken, wie die Zeitung "El Heraldo" berichtete. Aber auch in Mexiko, Guatemala, Venezuela versprühten Menschen Chemikalien. Brasilien plant nach dem Karneval den Einsatz von 220.000 Soldaten. Inzwischen wurde das Zika-Virus in 33 Ländern nachgewiesen.

Zika dürfte schon länger aktiv sein

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht vor allem angesichts der Daten aus Brasilien ein starker Verdacht, dass die Zika-Infektion von Schwangeren zu einer Schädelfehlbildung ihres Babys führen könne. Eindeutige Beweise dafür fehlen allerdings auch hier. Eine rückblickende Analyse deute auch beim Zika-Ausbruch in Französisch-Polynesien 2013/14 auf vermehrte Fälle von Mikrozephalie hin. Danach seien neun Kinder mit der Erkrankung geboren worden, normal seien null bis zwei pro Jahr.

Nach Meinung einiger brasilianischer Ärzte hat der Anstieg der registrierten Mikrozephalie-Fälle in Brasilien jedoch auch mit der Meldepflicht ab dem 22. Oktober 2015 zu tun. Diese wurde eingeführt, nachdem die Behörden einen möglichen Zusammenhang von Zika mit der Schädelfehlbildung konstatiert hatten. Mediziner im nordbrasilianischen Recife haben rückblickend Daten von 2012 ausgewertet: Lege man die derzeit üblichen Kriterien für Mikrozephalie an, dann habe es schon seit 2012 ungewöhnlich viele Fälle gegeben, schreiben die Experten.

Möglicher Zusammenhang mit weiteren Erkrankung

Unterdessen rückt eine andere Krankheit immer mehr in den Vordergrund. Fünf der von Zika betroffenen Länder meldeten nach WHO-Angaben zugleich mehr Fälle der seltenen Lähmungskrankheit Guillain-Barre: Brasilien, Kolumbien, El Salvador, Suriname und Venezuela. Die Regierung von Kolumbien hatte am Freitag sogar von drei Todesfällen durch die Krankheit berichtet. Alle drei Menschen waren mit Zika infiziert. Schon der Zika-Ausbruch 2013/14 in Französisch-Polynesien ging den Angaben zufolge mit einem Anstieg des Guillain-Barre-Syndroms einher.

Nach WHO-Angaben verbreitet sich das Zika-Virus nicht nur in den lateinamerikanischen Ländern, sondern auch auf den Kapverden und einigen pazifischen Inseln. "Wir müssen uns zusammentun wie noch nie in unserer Geschichte, um gegen diese Mücken zu kämpfen", sagte Präsident des südamerikanischen Landes Honduras, Juan Orlando Hernandez. Dem Bericht der Zeitung "El Heraldo" zufolge meldete das Land inzwischen 4.473 Zika-Fälle. Darunter seien 15 schwangere Frauen. In Kolumbien wurden laut Präsident Santos insgesamt 25.645 Zika-Fälle registriert. Unklar blieb zunächst, ob es sich um bestätigte Infektionen oder Verdachtsfälle handelte. Brasilien geht von 500.000 bis zu 1,5 Millionen Infizierten aus.

Insektenschutzmittel boomen

In Brasilien führt die Zika-Epidemie laut einem Bericht des Nachrichtenportals "O Globo" zu einem starken Anstieg beim Verkauf von Insektenschutzmitteln. Die großen Hersteller meldeten demnach bis zu 50 Prozent mehr Einnahmen für das Jahr 2015 im viertgrößten Markt der Welt. Der Boom hat auch mit den vielen Fällen von Dengue-Fieber im vergangenen Jahr zu tun.

Nach Besuchen in Regionen mit Zika-Viren dürfen Menschen in Frankreich vier Wochen lang kein Blut spenden. In Deutschland wird jeder potenzielle Blutspender nach Reisen in den vergangenen sechs Monaten gefragt – insbesondere mit Blick auf tropische Länder. (APA, dpa, 8.2.2016)

  • Eine Schwangere in einem Spital im nordbrasilianischen Recife: Wissenschaftler haben rückblickend die Daten von 2012 von Recife ausgewertet: Lege man die derzeit üblichen Kriterien für Mikrozephalie an, dann habe es schon seit 2012 ungewöhnlich viele Fälle gegeben, schreiben die Forscher in ihrer Analyse.
    foto: reuters/jose cabezas

    Eine Schwangere in einem Spital im nordbrasilianischen Recife: Wissenschaftler haben rückblickend die Daten von 2012 von Recife ausgewertet: Lege man die derzeit üblichen Kriterien für Mikrozephalie an, dann habe es schon seit 2012 ungewöhnlich viele Fälle gegeben, schreiben die Forscher in ihrer Analyse.

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