Erdbeben in Taiwan: Achtjährige nach 60 Stunden gerettet

8. Februar 2016, 11:49
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Mehr als 100 Personen werden noch vermisst

Taipeh – Mehr als zwei Tage nach dem Erdbeben in Taiwan haben Rettungskräfte ein Kind und drei Erwachsene lebend aus den Trümmern eines Wohnblocks geborgen. Ein Mann, zwei Frauen und ein achtjähriges Mädchen wurden am Montag gerettet. Das Erdbeben der Stärke 6,4 hatte in der Nacht auf Samstag die Insel erschüttert.

Das Erdbeben überschattete in Taiwan die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest – nach dem Mondkalender begann am Montag das Jahr des Affen. Mindestens 37 Menschen starben bei dem Beben, nach mehr als 100 wurde am Montag noch gesucht.

Nach mehr als 60 Stunden unter den Trümmern konnten Helfer das Mädchen und eine 28-jährige Frau lebend aus den Trümmern holen. Ein 40-jähriger Mann und eine 45-jährige Frau waren zuvor nach mehr als 50 Stunden lebend geborgen worden. Bevor der Mann gerettet wurde, hatten die Rettungskräfte 20 Stunden lang versucht, ihn aus den Trümmern zu ziehen. Jedoch war sein Bein eingeklemmt. Der Verletzte konnte schließlich mit Hilfe eines Krans geborgen werden. Sein linkes Bein soll amputiert werden.

Die 45-Jährige Frau wurde gerettet, nachdem die Rettungskräfte ihre Hilferufe gehört hatten. Doch ihr Mann und ihr zweijähriges Kind konnten nur noch tot geborgen werden. Die Einsatzkräfte versuchten fünf weitere Familienmitglieder zu erreichen, die tiefer in den Trümmern eingeschlossen waren.

Mehrere Wohnhäuser eingestürzt

Bei dem Beben waren in Tainan mehrere Wohnhäuser eingestürzt, darunter ein 16-stöckiges Haus. Bisher wurden 37 Tote geborgen, die meisten davon in dem Wei-Kuan-Wohnkomplex, zu dem 100 Wohnungen gehören. Die Behörden vermuteten, dass sich zum Zeitpunkt des Bebens nicht nur die Bewohner dort aufhielten, sondern auch viele Verwandte, die zum chinesischen Neujahrsfest zu Besuch waren.

Eine Überlebende, die 38-jährige Liu Yi Chen, berichtete im Krankenhaus von dem Horrortag, an dem sie ihren Ehemann und ihr zehn Tage altes Baby verlor. Sie habe gerade ihr Baby gestillt, als plötzlich die Erde wackelte und das 16-stöckige Wohnhaus komplett einstürzte. Die Familie stürzte vom neunten Stock abwärts. Lius Baby und ihr Ehemann konnten nur noch tot geborgen werden. Ihre beiden anderen Kinder wurden am Montag noch vermisst.

Die Einsatzkräfte nutzten Kräne, Bohrer, Spürhunde und Detektoren auf der Suche nach weiteren Überlebenden. Sobald sie sicher sind, dass sie alle Menschen aus den oberen Trümmerschichten herausgeholt haben, wollen sie sich mit Baggern durch riesige Betonteile zu den unteren Schichten vorarbeiten.

Taiwans scheidender Präsident Ma Jing Jeou versicherte, die Regierung tue alles, um in den "entscheidenden 72 Stunden" zu den Überlebenden zu gelangen. Drei Tage nach einem solchen Unglück schwinden in der Regel die Chancen, Überlebende zu finden. "72 Stunden sind die Norm, aber es gibt viele Ausnahmen", sagte Ma. "Viele Menschen sind noch eingeschlossen, unsere Herzen sind schwer."

Tainans Bürgermeister William Lai sagte, die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen wegen des Verdachts auf Pfusch am Bau aufgenommen. Sollte die Baufirma des Gebäudes gegen Vorschriften verstoßen haben, werde sie zur Verantwortung gezogen.

Die neu gewählte taiwanische Präsidentin Tsai Ing Wen, die im Mai ihr Amt antritt, kündigte an, sich für die Verbesserung der Gebäudesicherheit einzusetzen. Bei einem Besuch von Verletzten im Krankenhaus sagte sie, viele Gebäude seien veraltet und hielten Erdbeben nicht stand. (APA, Reuters, 8.2.2016)

  • Die Rettungsarbeiten nach dem Erdbeben der Stärke 6,4 dauern an.
    foto: apa/afp/sam yeh

    Die Rettungsarbeiten nach dem Erdbeben der Stärke 6,4 dauern an.

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