Padre Pios Romreise

Einserkastl7. Februar 2016, 18:25
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Der Kult um den Heiligen nimmt zuweilen seltsame Formen an

Gegen etwas, was Menschen hilft und sie vielleicht sogar ein bisschen besser macht, kann man schwer etwas haben. Aber staunen muss man schon angesichts der Berichte über die Massen, die derzeit zur konservierten Leiche – Ganzkörperreliquie heißt das – des 1968 verstorbenen und 2002 heiliggesprochenen Padre Pio pilgern. Papst Franziskus hat sie, wie jene des ebenfalls zu Lebzeiten die Stigmata tragenden Leopold Mandic, anlässlich des Heiligen Jahrs nach Rom bringen lassen. Viel von Padre Pios "Barmherzigkeit" ist die Rede, wo er doch als eher strenger und barscher Mann bekannt war.

Der Padre-Pio-Kult, mit dem sich der anfangs skeptische Vatikan nicht nur abgefunden hat, sondern ihn nun auch fördert, ist nur zu verstehen, wenn man Italien kennt und liebt. Es gibt tausende Padre-Pio-Gebetskreise, zehntausende Statuen bevölkern Italiens öffentliche Plätze. Manche sind so schiach, dass sie eher zum Lachen als zur Frömmigkeit einladen. Aber einen Heiligen, der Mussolini zum Glauben zurückbrachte – jedenfalls behauptete das der Duce im Juni 1924 in einem Brief -, kratzt das nicht.

Vor den Tremiti-Inseln kann man einen Padre Pio in zehn Meter Tiefe antauchen, in Olgiastro Cilento wird er die Wolken kratzen: Die Statue wird höher werden als die des Christus in Rio und einen Blick auf den Golf von Neapel bieten. Was der Alte wohl dazu gesagt hätte? Seinen Beichtkindern hat er ja ganz gern mit der Hölle gedroht. (Gudrun Harrer, 7.2.2016)

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    foto: reuters /tony gentile
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