Der Ärger der Amerikaner stärkt auch dort Populisten

Kolumne7. Februar 2016, 16:49
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Der Erfolg der US-Präsidentschaftskandidaten bei den Vorwahlen fußt laut TV-Umfragen vor allem auf Stimmungen

Der amerikanische Immobilien-Tycoon und Präsidentschaftskandidat Donald Trump ist ein Schreckgespenst für die Medien und für die "upper class". Für die unteren Schichten nicht, obwohl er offen für die Folter (von des Terrorismus Verdächtigten) eintritt und weil er, der Superreiche, eine Reichen- und Vermögenssteuer durchsetzen will. Nur einer, der so mächtig ist wie Trump, könne den anderen Mächtigen Paroli bieten, wird argumentiert.

Der Populismus in den USA hat traditionell ähnliche Ursachen wie jener in Europa. Fremdenhass ("Sie nehmen uns die Arbeit weg"), Antiislamismus ("Die arabischen Einwanderer wollen uns umvolken") und Volksbewaffnung sind die Parolen der Angstmacher.

Der amerikanische Traum

Ihr Erfolg fußt auf Stimmungen. In einer im Esquire veröffentlichten Umfrage der TV-Anstalt NBC News sagen hochgerechnet 73 Prozent der Weißen in den USA ("nur" 56 Prozent der Schwarzen), dass sich jeden Tag etwas ereigne, das sie ärgere. Und mitten hinein ins amerikanische Herz die Antwort auf die Frage: "Lebt der amerikanische Traum noch?" 52 Prozent sagen Nein, nur 36 Prozent Ja.

Einige Hintergründe: 54 Prozent glauben, man könne trotz Arbeit nicht mehr so viel erreichen wie früher. Schuld an den schlechteren Einkommen seien die "Wall-Street-Banken" (18 Prozent), der "Kapitalismus" generell (17 Prozent) und der internationale Freihandel (ebenfalls 17 Prozent). Damit arbeiten auch etliche Präsidentschaftskandidaten.

Sieg für die radikale Demagogie

In den Berichten und Kommentaren zu den kleinen Vorwahlen in Iowa wurde Donald Trumps zweiter Platz meist als große Niederlage bezeichnet. Trotzdem war das Ergebnis ein Sieg für die radikale Demagogie, weil der Gewinner, der texanische Senator Ted Cruz, ebenfalls ausgewiesener Populist ist. Wie Trump unterstützt er Foltermethoden und fordert harte Strafen für Frauen, die abtreiben.

Bernie Sanders, knapper Verlierer auf demokratischer Seite, ist (obwohl für eine "Zerschlagung der großen Banken" und gegen "internationalen Freihandel") ein Sozialdemokrat. Reichensteuer, kostenloses Studium, Krankenversicherung für alle, doppelter Mindestlohn stehen auf seinen Plakaten. Für junge Leute keine Utopien, für mächtige Vermögende eine Frechheit.

Morgen, Dienstag, läuft in New Hampshire die erste Vorwahl mit großer Bedeutung, also nicht nur mit "Delegierten" wie in Iowa. Nur wenn auch hier die Populisten gewinnen, wäre ein Trend gestärkt. Denn nur zwei von 13 Demokraten und vier von zwölf Republikanern, die seit 1952 in Iowa gewannen, wurden auch Präsidenten der USA.

Besonders signifikant: 1992 hatte der spätere Präsident Bill Clinton in New Hampshire bereits aufgeschlossen – er lag zwei Prozent hinter Paul Tsongas. Zuvor in Iowa war er dem Populisten Tom Harkin mit 76:3 Prozent unterlegen. Die Siegerin von 2016, Hillary Clinton, war 2008 hinter Barack Obama Dritte gewesen.

Anfang März, beim ersten Superwahltermin, wird eine Vorentscheidung fallen. Über Trump, über die ehemalige First Lady, aber auch über die wahre Kraft des Populismus. (Gerfried Sperl, 7.2.2016)

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