Trump für "schlimmere Methoden" als Waterboarding

7. Februar 2016, 08:52
417 Postings

Der Präsidentschaftskandidat will die umstrittene Verhörmethode wieder einführen – Rubio konnte Rolle des Aufsteigers nicht nutzen

Washington – Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump will im Fall eines Wahlsieges nicht nur die höchst umstrittene Verhörmethode "Waterboarding" gegen mutmaßliche Terroristen wiedereinführen. Er würde noch "verdammt viel Schlimmeres" zulassen, als diese Form des simulierten Ertränkens, sagte der Multimilliardär am Samstagabend bei der letzten TV-Debatte der republikanischen Kandidaten vor den Vorwahlen in New Hampshire.

Der erzkonservative Senator Ted Cruz erklärte, er würde in Notfällen, wenn es etwa um die Verhinderung einer unmittelbar drohenden Terrorattacke gehe, ebenfalls "offen" für das Waterboarding von Terrorverdächtigen sein. Der Ex-Gouverneur von Florida, Jeb Bush, will hingegen nicht am Verbot dieser Praxis rütteln.

Rubio scheiterte

Für Senator Marco Rubio hätte es ein entscheidender Abend im republikanischen Wahlkampf werden können. Seit der ersten Vorwahl in Iowa, in der er überraschend knapp hinter Ted Cruz und Donald Trump gelegen war, war ihm die Rolle des Aufsteigers und Herausforderers zugesprochen worden. Die TV-Debatte am Samstag im US-Bundesstaat New Hampshire, in dem am Dienstag die zweite Vorwahl über die Bühne geht, war nun die große Chance, dieses Image zu festigen. Doch Rubio scheiterte kläglich.

Es war dies der Tag der Gouverneure. Chris Christie (New Jersey), John Kasich (Ohio) und Bush gaben sich staatsmännisch, priesen wiederholt ihre Politik in den Bundesstaaten an, und attackierten gleichzeitig ihre Kontrahenten Marco Rubio, Ben Carson, Donald Trump und Ted Cruz mit weniger Regierungserfahrung. Vor allem Rubio geriet ins Kreuzfeuer der Gouverneure, die sich gegenseitig schützten.

30-Sekunden-Antworten

Chris Christie, dessen Ausstieg aus dem Wahlkampf vielerorts schon prognostiziert wird, nagelte sich wiederholt an Rubio’s "auswendig gelernten 30-Sekunden-Antworten" fest. Während sich Rubio nur Gedanken darüber mache, wie er die nächste Rede anlege oder den nächsten Gesetzesentwurf zu Fall bringen werde, würde er – Christie – täglich Probleme lösen. "Von mir wird verlangt, dass der Schnee von den Straßen geräumt wird, dass die Schulen offen sind und der Bundesstaat nach einer der schlimmsten Naturkatastrophen wieder aufgebaut wird. Nichts Vergleichbares passiert im US-Senat", sagte Christie und attestierte Senator Rubio gleichzeitig, nicht für den Job als US-Präsident gewappnet zu sein. Der tappte erneut in die Falle und wiederholte seine offensichtlich einprogrammierte Antwort – eine Kritik an US-Präsident Barack Obama, die nicht auf Christie’s Angriff Bezug nahm – zum insgesamt dritten Mal.

cris morales

John Kasich probierte auf untypische aber erstaunlich authentische Art und Weise Aufmerksamkeit unter der Wählerschaft zu generieren: Er stellte sich in puncto Politik und Amerikas Zukunft als die optimistische, hoffnungsfrohe Variante der Republikaner dar. Inhaltlich gab es jedoch auch von ihm – wie allen anderen Kandidaten – wenig substanzielle Visionen, die über eine Rücknahme der Politik von US-Präsident Barack Obama hinausgehen würden.

Handzahmer Trump

Trump, der große Favorit für die Vorwahlen in New Hampshire, schien trotz seiner Waterboarding-Forderung etwas handzahmer und weniger abgehoben als üblich, obwohl ihm die Gunst des Publikums vor Ort verweigert wurde. Er erhielt aufgrund der Attacken auf Rubio weniger Aufmerksamkeit und polarisierte weniger als bei den vergangenen Debatten, was ihm am Dienstag bei der Vorwahl zu Gute kommen dürfte. Auch Ted Cruz, Gewinner der ersten Vorwahl in Iowa, blieb über weite Strecken der Debatte im Hintergrund, und agierte zurückhaltender als sonst. (Teresa Eder, 7.2.2016)

  • Am Samstag diskutierten die republikanischen Präsidentschaftskandidaten das letzte mal vor den Vorwahlen in New Hampshire.
    foto: reuters/carlo allegri

    Am Samstag diskutierten die republikanischen Präsidentschaftskandidaten das letzte mal vor den Vorwahlen in New Hampshire.

  • Marco Rubio konnte die Rolle des Aufsteigers nicht halten.
    foto: apa/afp/jewel samad

    Marco Rubio konnte die Rolle des Aufsteigers nicht halten.

  • Donald Trump (zweiter von rechts) sorgte mit seiner Warterbording-Forderung für Aufregung.
    foto: apa/afp/getty images/joe raedle

    Donald Trump (zweiter von rechts) sorgte mit seiner Warterbording-Forderung für Aufregung.

Share if you care.