Großeinsatz in Tirol: 18 Lawinenabgänge, fünf Tote

6. Februar 2016, 16:29
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In der Wattener Lizum wurden 17 tschechische Staatsbürger von einer Lawine verschüttet

Wattenberg/Innsbruck – Ein schweres Lawinenunglück hat am Samstag in Wattenberg in Tirol fünf Todesopfer gefordert. Insgesamt wurden zu Mittag 17 tschechische Wintersportler in der Wattener Lizum (Bezirk Innsbruck Land) beim Aufstieg auf die Lizumer Hütte von einer großen Lawine mitgerissen und verschüttet. Inzwischen ist der Rettungseinsatz abgeschlossen. Zwölf Verschüttete konnten gerettet werden, zwei Personen sind verletzt.

Laut Polizei soll die Lawine um 12.25 Uhr abgegangen sein. Die 17 Wintersportler waren in zwei Gruppen unterwegs, die beide einen Führer dabei hatten. "Wie kundig diese Guides waren, ist derzeit aber noch nicht bekannt", heißt es vonseiten der Bergrettung. Unter den Toten sind laut Polizei Männer und Frauen, es dürfe sich bei allen um tschechische Staatsbürger handeln.

Ursachen für Lawinen

Insgesamt sind in Tirol am heutigen Tag 18 Lawinen abgegangen. Mehrere Menschen wurden dabei verschüttet, konnten jedoch rasch befreit werden. Dutzende Bergretter und zahlreiche Hubschrauber waren im Einsatz.

Neuschnee, Temperaturschwankungen, Wind

Der "Baumeister" von Lawinen sind ergiebige Neuschneefälle, starke Erwärmung und Temperaturschwankungen sowie Wind. Sie sind neben der Setzung der Schneekörner durch Druck und Schwerkraft ausschlaggebend für die Entstehung einzelner Schichten einer Schneedecke.

Je unterschiedlicher die Konsistenzen zweier Lagen sind, desto leichter kann die Bindung "reißen" und dieser Vorgang eine Schneebrettlawine auslösen. Rund 90 Prozent der Lawinenunglücke im skitouristischen Bereich machen derartige Festschneelawinen aus. Besonders Gefahren bringende Schneearten sind der windbeeinflusste Packschnee, sehr wasserhaltiger Pappschnee, Schwimmschnee, der im Bodenbereich wie ein Kugellager wirkt, Eislamellen als eingeschneite Gleitschicht oder etwa Oberflächenreif, der mit Packschnee abgedeckt als höchst gefährliche Zwischenschicht gilt.

Durch die großen Zug- und Drehkräfte, die entstehen, da sich Schneemassen an der Oberfläche schneller bewegen als darunter liegende, sterben etwa 20 Prozent aller Verschütteten bereits bis zum Stillstand der Lawine. Nach 30 Minuten leben nur noch rund 30 Prozent, wovon nach weiteren eineinhalb Stunden der Großteil seinen Verletzungen erliegt, erstickt oder erfriert. Mehr als zwei Stunden nach dem Abgang einer Lawine werden laut Experten durchschnittlich nur mehr drei Prozent der Verschütteten lebend geborgen.(APA, mika, 6.2.2016)

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    quelle: apa
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