Wie die Darmflora beim Überwintern hilft

5. Februar 2016, 18:31
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Im Herbst fressen sich Braunbären Fettreserven an. Die dabei beobachteten Veränderungen könnten zur Therapie von Fettleibigkeit genützt werden

Göteborg/Wien – Für sie ist die Winterruhe längst noch nicht zu Ende. Frühestens im März, mitunter auch erst im Mai verlassen die Braunbären ihren Bau. Und anders als die meisten Vertreter von Homo sapiens nehmen sie in den Wintermonaten stark ab: Die mächtigen Säugetiere verlieren bis zur Hälfte ihres im Sommer angefressenen Körpergewichts.

Doch nicht nur der herabgesetzte Stoffwechsel während der Winterruhe, auch die starke Gewichtszunahme fasziniert Wissenschafter und gibt nach wie vor Rätsel auf: Warum entwickeln die Bären trotz der starken Gewichtszunahme keine typischen Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit wie Arteriosklerose oder und Diabetes?

Originelles Studiendesign

Fredrik Bäckhed (Uni Göteborg) ist mit Kollegen diesem Rätsel nachgegangen und wurde im Darm der Tiere fündig – mittels eines originellen zweiteiligen Untersuchungsdesigns. Um zu klären, welche Rolle die Darmflora beim unterschiedlichen Metabolismus im Sommer und im Winter spielt, analysierten die Forscher zunächst Kotproben, die von 16 frei lebenden Braunbären im Winter und im Sommer "zur Verfügung gestellt wurden". Parallel dazu verglichen sie charakteristische Blut(fett)werte.

In beiden Bereichen zeigten sich eindeutige Unterschiede: Die jeweiligen Blutwerte differierten stark, und im Sommer war die Diversität der Darmbakterien viel größer. Vor allem enthielt die Darmflora weitaus mehr von sogenannten grampositiven Bakterien, zu denen Aktinobakterien, Bacillusarten und Clostridien zählen.

Doch dabei ließen es die Forscher für ihre Studie im Fachmagazin "Cell Reports" nicht bewenden. In einem zweiten Schritt transplantierten sie Kotproben aus dem Sommer und aus dem Winter in den Darm keimfrei aufgezogener Mäuse, die sich prompt sehr verschieden entwickelten: Die Mäuse mit den Sommer-Bakterien wurden fetter als die anderen, zeigten aber einen ganz normalen Zuckerstoffwechsel und keine Anzeichen von Krankheit.

Für Fredrik Bäckhed ist damit offensichtlich, dass die Darmflora ein wichtigerer Regulator für den Energiestoffwechsel und die Kälteanpassung sein dürfte, als bisher angenommen. Vor allem geht es ihm und seinen Kollegen dabei aber darum, sich von den Bären einen möglichen Ansatz für Therapie von Fettleibigkeit abzuschauen. Denn auch bei fettleibigen Menschen wurde eine im Vergleich zu Gesunden veränderte Darmflora nachgewiesen. (tasch, 5.2.2016)

  • Braunbären futtern sich im Sommer so voll, dass sie ihr Körpergewicht nahezu verdoppeln. Dennoch bleiben ihnen die ungesunden Folgen der Fettleibigkeit erspart. Das ist auch für Menschen interessant.
    foto: apa/epa/ epa/radek pietruszka

    Braunbären futtern sich im Sommer so voll, dass sie ihr Körpergewicht nahezu verdoppeln. Dennoch bleiben ihnen die ungesunden Folgen der Fettleibigkeit erspart. Das ist auch für Menschen interessant.

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