Bank Austria hält am Transferplan für Mitarbeiter fest

5. Februar 2016, 17:29
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3.300 Mitarbeiter sollen im April im staatlichen Versicherungssystem sein. Ihre Nachteile daraus will ihnen die Bank abgelten

Wien – Der Chefwechsel in der Bank Austria (BA) ist jetzt formell abgesegnet. Am Freitag hat der Aufsichtsrat die nötigen Beschlüsse gefasst, wie berichtet wird Robert Zadrazil am 1. März Vorstandschef, neu in den Vorstand kommt Romeo Collina (als COO). BA-Chef Willibald Cernko geht, ebenso Privat- und Firmenkundenvorstand Helmut Bernkopf, der STANDARD hat berichtet. Bernkopfs Agenden übernimmt Zadrazil; sobald die Osteuropa-Sparte nach Mailand übersiedelt, wird auch ihr Chef Carlo Vivaldi gehen.

Die Unicredit-Tochter muss massiv umbauen; ihre Pläne zum Transfer von 3.300 Mitarbeitern vom bankinternen ins staatliche Versicherungssystem trifft auf massive Kritik. Im Gegensatz zu BA-Anwalt Stefan Köck ist etwa Anwalt Roland Gerlach (ist für BA-Mitarbeiter tätig) überzeugt, dass die Übersiedlung in die staatliche Pensionsversicherung (PVA) zum günstigen Übertragungssatz von sieben Prozent eine staatliche Beihilfe wäre, die die Republik bei der EU-Kommission anmelden müsste.

PVA wartet noch auf Daten

Auch PVA-Chef Winfried Pinggera ist kritisch. Er argumentiert, dass die Mitarbeiter nicht aus der BA ausscheiden (in §311 ASVG ist vom "Ausscheiden aus einem pensionsversicherungsfreien Dienstverhältnis" die Rede) und das ASVG auf Einzelfälle abziele.

Die BA ordnet das rechtlich anders ein. 1993 etwa seien rund 1.000 Länderbanker ins BA-System gekommen, 2000 rund 500 CA-Mitarbeiter (also in die Gegenrichtung), in beiden Fällen seien auch die sieben Prozent Überweisungsbetrag geflossen. Zur Erinnerung: Der gesetzliche Pensionsversicherungsbeitrag beträgt 22,8 Prozent. Die PVA wartet nun jedenfalls einmal darauf, dass ihr die Bank Austria die Daten liefert.

Bank gleicht Nachteile aus

Das sollte bald geschehen, denn die BA hält an ihrem Zeitplan fest, per 1. April soll der Transfer gemäß über die Bühne sein. Die Mitarbeiter würden dann auch aus der Krankenversicherung bei der KfA mit ihren 128.000 Versicherten ausscheiden und zur Gebietskrankenkasse (GKK) wechseln. Mit dem (bezahlten) Besuch beim Wahlarzt wäre es dann vorbei, ebenso wie mit höheren Zuzahlungen für diverse Heilbehelfe.

Versicherungsbeiträge an die PVA (bisher hat die Bank bezahlt), geringere Pension (im BA-System gelten die letzten 18 Jahre als Durchrechnungszeitraum, im ASVG die gesamte Aktivzeit), geringere Krankenversicherungsleistungen: All das will die BA ausgleichen. Sie bietet den Betroffenen einen "Nettoausgleich" (fürs geringere Nettoeinkommen), eine Pensionsausgleichszahlung (für die geringere Pension; der Betrag wird in die Pensionskasse einbezahlt) sowie eine (vom Arbeitgeber bezahlte) Gruppenversicherung für den Besuch beim Wahlarzt an. Die Berechnungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Bank dementiert Verkaufsgespräche

Sehr wohl abgeschlossen sind laut BA und Unicredit die Gespräche mit Bawag-Aktionär Cerberus über einen Verkauf der Filialen. Dem widersprechende Gerüchte entbehrten jeder Grundlage, kommentierten die Italiener einen entsprechenden STANDARD-Bericht. Man halte an den Mitte Dezember veröffentlichten Plänen (Filial- und Mitarbeiterabbau) fest.(Renate Graber, 5.2.2016)

  • Es rumpelt beim geplanten Umbau der Bank Austria. Die Unicredit-Tochter will dessen ungeachtet 3300 Mitarbeiter ins staatliche ASVG-System transferieren.
    apa/robert jaeger

    Es rumpelt beim geplanten Umbau der Bank Austria. Die Unicredit-Tochter will dessen ungeachtet 3300 Mitarbeiter ins staatliche ASVG-System transferieren.

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