"Schwarzweißlila": Lebendige Zwischentöne

5. Februar 2016, 17:31
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Jugendtheater muss nicht einfach sein. Das beweist "Schwarzweißlila" von Volker Schmidt im Dschungel Wien

Wien – "Meine Mutter ist verrückt geworden!" Lila ist elf und muss in eine kleinere Stadt umziehen. Warum? Weil die Erwachsenen das Geld verdienen. Öfters stellt Mutter Mira Tscherne ihre Tochter Nancy Mensah-Offei vor vollendete Tatsachen. Sie will mit Lila auch nicht über deren Vater sprechen, der ihr diese "Scheißhautfarbe" hinterlassen hat, sonst aber nicht da ist.

In der Kleinstadt ist erst alles schwieriger. Als "Milchkaffee" etwa begrüßt Dennis (Josef Mohamed) seine neue Schulkameradin. Aber schnell zeigt sich, dass was als rassistisch erscheint, bloß ungelenk ist, und sie werden Freunde. Auch Vorurteile lösen sich auf, wenn man einander erst einmal abseits der verbreiteten Klischees kennengelernt hat – so wie Dennis Vater, der Bauunternehmer (Sven Kaschte), den Asylwerber Basuro (Futurelove Sibanda), der eigentlich Bauingenieur ist.

Kinder- bzw. Jugendtheater muss nicht einfach sein. Es muss wie jedes andere gute Theater etwas wollen, sein Publikum ernst nehmen. Das tut schwarzweißlila im Dschungel Wien. Die Vielfalt der aufgerufenen Themen vom Mutter-Tochter-Konflikt und Vorurteilen bis hin zu Flucht und Asylproblematik verbindet das Private ambitioniert mit dem Öffentlichen. Das ergibt etwas viel Stoff, ist aber von allen Beteiligten hervorragend in Szene gesetzt. Thea Hoffmann-Axthelms Bühne aus Umzugskartons, die zur Stadtlandschaft werden, gibt Regisseur (und Autor) Volker Schmidt Raum für Turbulentes und Berührendes. Ein freches und idealistisches, aber nicht naives Stück mit viel Herz. (wurm, 5.2.2016)

Bis 26.4.

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Dschungel Wien

  • Lila packt ihre Sachen für den Umzug.
    foto: ani antonova

    Lila packt ihre Sachen für den Umzug.

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