Mutter dreier Kinder wollte zu IS nach Syrien

5. Februar 2016, 17:11
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Tschetschenischer Prediger im Zentrum des Grazer Jihadistenprozesses

Graz – Das schwarze Kopftuch tief in die Stirn gerückt, steht die schon etwas ältere Frau zwischen den Sesselreihen, hält das Taschentuch vor den Mund und weint. Sie heftet ihren Blick auf den jungen bärtigen Mann, der vorne im Gerichtssaal in Handschellen von Spezialpolizisten bewacht wird.

Es dürfte ihr Sohn sein, der am Freitag mit mehreren anderen tschetschenischen Staatsbürgern in Graz beim "Jihadistenprozess" vor dem Richter steht. Ihnen wird das Verbrechen der terroristischen Vereinigung zur Last gelegt, eine Frau muss sich wegen falscher Zeugenaussage verantworten. Sie soll, wie der Staatsanwalt ausführt, den mitangeklagten Prediger belastet, ihre Aussage aber wieder als "falsch" zurückgezogen haben.

Im Mittelpunkt steht dieser ehemalige Lagerarbeiter, der sich in der Szene zu einem Prediger in einer Grazer "Hinterhofmoschee" gewandelt hatte. Ihm wirft die Anklage vor, junge Tschetschenen zum IS-Kampf verleitet zu haben. Zudem soll der Vater von sieben Kindern jene Frau, die ebenfalls angeklagt ist, bedrängt haben, seine dritte Frau zu werden. Deren Mann war erschossen worden.

In Schwechat abgefangen

Der Staatsanwalt wirft ihr vor, sie habe sich mit ihren drei Kindern ebenfalls der IS-Terrormiliz anschließen wollen, sei aber in Schwechat zurückgewiesen worden. Nein, sagt die Frau, sie habe nur nach Syrien fahren wollen, um ihren Mann zu suchen. Die Verteidigung will 150 Tschetschenen als Zeugen hören, die bestätigen würden, dass der Prediger, der "sicher kein liberaler Muslim, aber auch kein Terrorist" sei, nie zum IS-Kampf aufgerufen habe.

Der Staatsanwalt zitiert noch eine Passage aus der Einvernahme: Der Prediger habe gemeint, dass Österreich "ein gutes Land" sei und für Frauen sorge, während die Männer nach Syrien gehen. Der Prozess wird am 25. Februar wird fortgesetzt. (mue, 5.2.2016)

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