Cash in Österreich: Alte Liebe rostet nicht

6. Februar 2016, 12:00
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Die Liebe der Österreicher zu Münzen und Scheinen bleibt groß. Beträge bis zu 60 Euro zahlen Herr und Frau Österreicher am liebsten bar

Wien – "Die Österreicher haben eine Liebesbeziehung zum Bargeld", versuchte sich Nationalbankdirektor Kurt Pribil jüngst an einer Erklärung. Dass diese ungebrochen ist, zeigen neueste – bisher unveröffentlichte – Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Cash bleibt in Österreich weitgehend King. Geschäfte bis zu knapp 60 Euro werden üblicherweise bar beglichen. Daran ändert sich seit Jahren wenig.

In einer vergleichbaren Umfrage im Jahr 2014 wurde der durchschnittlich in den Geldbörsen mitgeführte Geldbetrag mit rund 67 Euro beziffert. "Vor dem zunehmenden Hintergrund der Verbreitung von Zahlungskarten wäre eigentlich zu erwarten, dass sich der Betrag zumindest tendenziell verringert", hieß es damals. Doch davon sei bei Herr und Frau Österreicher keine Spur.

Transaktionen in bar

Fast einem Drittel ist es egal, wie hoch oder niedrig die Rechnung ausfällt: Gezahlt wird in der Regel unabhängig von der Betragshöhe bar. Insgesamt erfolgen 80 Prozent der Transaktionen in Österreich mit Bargeld. In Schweden sind es nur noch halb so viele. In Dänemark müssen Einzelhändler, Tankstellen und Restaurants ab kommendem Jahr gar kein Cash mehr annehmen. Ab 2017 will die dänische Notenbank überhaupt keine Scheine mehr drucken.

Unvorstellbar hierzulande. Den täglichen Lebensmitteleinkauf zahlt man am liebsten bar. Rund 75 Prozent greifen dabei fast ausschließlich zu Münzen und Scheinen. Auch im Beisl ist den Kunden Cash näher als die Karte: Die Barzahlungen in Lokalen liegen bei 81 Prozent. Fast drängt sich der Verdacht auf, die Österreicher seien regelrechte Fortschrittsverweigerer. Doch ganz so einfach ist es nicht. Die große Verbundenheit zum "echten Geld" mag auch damit zu tun haben, dass es in Österreich leicht und billig ist, an Bargeld zu kommen, hält WKO-Bankensprecher Franz Rudorfer eine weitere Erklärung bereit: "Wir liegen mit der Bankomatdichte im europäischen Spitzenfeld." Was billig betrifft, so weht bald ohnedies womöglich ein anderer Wind. Denn auch hierzulande wird darüber nachgedacht, was im europäischen Ausland schon anzutreffen ist: Manche Banken verrechnen für die Bankomatbehebung hohe Gebühren. Wird eine solche auch in Österreich Realität, könnte es mit der Gemütlichkeit rasch vorbei sein. Denn eine Mischung aus Tradition und Bequemlichkeit ortet nicht nur Rudorfer in der tiefen Verbundenheit der Österreicher mit Scheinen und Münzen. Auch die Menschen nennen sie hartnäckig als Motiv. Einfacher, praktischer und schneller sei damit der Zahlungsvorgang, finden rund 90 Prozent. Keine Zusatzkosten neben den Kontogebühren nannten 87 Prozent als Motiv. Doch auch die Anonymität beim Bezahlen (85 Prozent) und der gute Überblick über die Ausgaben (85 Prozent) sind den Menschen einiges wert.

Je älter, desto lieber Cash

Wobei die Zuneigung mit zunehmendem Alter immer inniger wird, wie die OeNB-Erhebung zeigt. Ab 60-Jährige greifen zu 52 Prozent zu Scheinen und Münzen. Dafür verfügen 93 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren über eine Zahlungskarte. Was Alt und Jung einen dürfte: Der Schotter wird allmählich beschwerlich. Nur 44 Prozent leben mit den Münzen gut, rund ein Drittel (31 Prozent) hätte es im Börsel gerne etwas leichter. Ein weiteres Viertel könnte mit weniger Kleinstmünzen ebenfalls gut leben.

In der Bargelddiskussion an sich lässt sich Bankensprecher Rudorfer nicht festnageln: "Die Kunden können und müssen selbst entscheiden." Deutlicher wird der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann nach der Forderung eines Bargeldlimits in der Bild-Zeitung: "Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird." (Regina Bruckner, 6.2.2016)

  • Die deutsche Regierung hat die Bargelddiskussion befeuert. Bei der Wahl der Zahlungsmittel lassen sich viele nicht gerne dreinreden.
    foto: maria von usslar

    Die deutsche Regierung hat die Bargelddiskussion befeuert. Bei der Wahl der Zahlungsmittel lassen sich viele nicht gerne dreinreden.

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