Mit falschen Fakten gegen Nichtraucher-Schutz

Blog7. Februar 2016, 15:00
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Wissenschaftliche Beweise für die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens mussten lange gegen gefälschte Studien ankämpfen. Heute sind alle Zweifel beseitigt

Rauchverbote sind sinnvoll und evidenzbasiert. Schon 2010 haben erste Studien gezeigt, dass durch Rauchverbote und einem damit zusammenhängenden Rückgang der Raucher in der Bevölkerung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen weniger werden. Weitere Studien aus insgesamt 21 Ländern zeigen ebenfalls übereinstimmend einen Rückgang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfällen, die durch Tabak verursacht werden.

Eine kürzlich aktualisierte Übersichtsarbeit bestätigt, dass in erster Linie Nichtraucher deutlich von Rauchverboten profitieren. Das ist keine Überraschung. Rauchen ist ein derart massives gesundheitliches Risiko, dass jede erfolgreiche Eindämmung potenziell hunderttausende Menschen – Raucher und Nichtraucher – schützen kann. Jedes Jahr sterben nach WHO Schätzung sechs Millionen Menschen an den Folgen der Nikotinsucht, 600.000 davon sind Passiv-Raucher.

Im Jahr 2004 hat Irland daher mit dem Nicht-Raucher-Schutz ernst gemacht und das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden verboten. 2009 ist Österreich nachgezogen, wenn auch mit einer typisch österreichischen Regelung, die weder Gastwirte noch Gesundheitsexperten besonders glücklich macht.

Tabak und medizinische Fakten – eine Kriegsgeschichte

Dass Rauchen und Lungenkrebs zusammenhängen, wurde erstmals in den 1960er-Jahren wissenschaftlich bewiesen. Die von Zigarettenrauch ausgehende Gefahr wurde dennoch erst spät zum Fall für Verbote, denn die Tabakindustrie verfolgte über Jahrzehnte eine erfolgreiche Strategie: Zweifel säen. Forscher, die auf die Gefahr des Rauchens aufmerksam gemacht hatten, wurden attackiert.

Millionenbeträge wurden zu dieser Zeit in Auftragsforschungen investiert. Ziel war es, die immer deutlicher werdende Beweislage für die Gefahr des Tabakkonsums zu unterminieren. Angebliche Non-Profit-Organisationen gaben Studien in Auftrag, deren Ausgang von Anfang an fest stand. So kam eine Flut an falschen Fakten zusammen, die den wissenschaftlichen Ergebnissen gegenüber stand. Damit sollte es Regulierungsstellen unmöglich gemacht werden, richtige Entscheidungen zu treffen.

Obwohl schon 1966 ein Memo ("Doubt is our product") aus einem Tabakkonzern an die Öffentlichkeit gelangte, das die Taktik der Zigarettenhersteller in aller Deutlichkeit formulierte, ging die Strategie der Unternehmen auf: Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis Verbote tatsächlich umgesetzt wurden.

Zweifeln säen als Verzögerungstaktik

Die Tabakindustrie war ein Pionier dieser Verzögerungstaktik. Heute versuchen industrielle Konzerne, die in großem Stil die Umwelt verschmutzen, Zweifel am vom Menschen gemachten Klimawandel zu verbreiten.

Geht es um die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens, sind allmählich auch die letzten Zweifel ausgeräumt. Mit den immer stärker werdenden Beweisen für die Sinnhaftigkeit des Nichtraucher-Schutzes, sollte es auch politisch einfacher werden, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen. Vielleicht kann sich sogar Österreich eines Tages zu einer konsequenteren Linie durchringen. (Gerald Gartlehner, 7.2.2016)

Gerald Gartlehner ist Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin (EbM) und Klinische Epidemiologie der Donau-Uni Krems, Direktor der österreichischen Cochrane-Zweigstelle und Vizedirektor des Research Triangle Institute – University of North Carolina Evidence-based Practice Center, USA. Er leitet die Plattform medizin-transparent.at und nimmt auf derStandard.at regelmäßig aktuelle Studien unter die Lupe.

  • Dass Rauchen der Gesundheit schadet scheint endlich überall angekommen zu sein.
    foto: apa/dpa

    Dass Rauchen der Gesundheit schadet scheint endlich überall angekommen zu sein.

  • EbM-Experte Gerald Gartlehner nimmt für derStandard.at regelmäßig aktuelle Studien unter die Lupe.
    foto: georg h. jeitler/donau-uni krems

    EbM-Experte Gerald Gartlehner nimmt für derStandard.at regelmäßig aktuelle Studien unter die Lupe.

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