Umgestaltung des Schwedenplatzes geht in konkrete Phase

7. Februar 2016, 16:47
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Für die zweite Planungsstufe wurden aus sechzig Einreichungen sechs Vorschläge ausgewählt, die die Bürger ab Montag beurteilen können

Wien – Am großen Wettbewerb zur Gestaltung des Schwedenplatzes und des angrenzenden Morzinplatzes in der Wiener Innenstadt beteiligten sich 38 Architekten und Landschaftsplaner, manche mit visionären Vorschlägen. Kein einziger wurde angenommen. Das war 1946, und seither hat sich am grundlegenden Aussehen des Platzensembles wenig geändert. Der Schutt der im Zweiten Weltkrieg zerbombten ersten Häuserreihe wurde schlicht weggeschafft und der Platz bis zur teils fünfspurigen Durchzugsstraße am Franz-Josefs-Kai zu "Wagenabstellflächen" betoniert und mit einigen Grünstreifen verziert.

Siebzig Jahre später rief die Stadtverwaltung eine neue Planergeneration auf, und diesmal gingen 60 Einreichungen zur Aufwertung des Schwedenplatzes ein. Eine Jury wählte sechs anonymisierte Vorschläge aus, die den Bürgern am Montag vorgestellt werden. Im Vorfeld hielt sich die zuständige Steuerungsgruppe in der Magistratsabteilung 19 über die Ausrichtung der sechs Vorhaben und mögliche Kostenschätzungen bedeckt.

Dabei war der Handlungsspielraum den Teilnehmern bereits grob vorgegeben. Schon in der ersten Planungsstufe konnten sich Bürger artikulieren, und ihre Wünsche wurden in einen mehr oder weniger verbindlichen Leitfaden aufgenommen. Ganz oben auf der Wunschliste standen "Nutzbare Grünflächen zum Verweilen anbieten", "Organisation der Straßenbahnlinien und -haltestellen verbessern" und "Verbindung von der Innenstadt zum Donaukanalufer verbessern".

Politiker im Preisgericht

Bis einschließlich kommenden Sonntag haben die Wiener Gelegenheit, die Schaubilder und Übersichtspläne auf der Shortlist zu bewerten – in einer sogenannten Dialogbox direkt am Schwedenplatz oder online auf der Website der Stadt Wien. Deren Vertreter versprechen, dass die Planer die neuerlichen Kommentare bei der Überarbeitung ihrer Entwürfe berücksichtigen werden.

Diese zweite und letzte Planungsstufe soll bis Sommer abgeschlossen sein und das Preisgericht aus dem verbliebenen halben Dutzend Vorschlägen einen Gewinner nominieren, sagt Andreas Baur von der Steuerungsgruppe zum STANDARD. Stimmrecht haben in der Jury neben Architekten und Landschaftsplanern auch Vertreter des Magistrats und der Politik.

Ganz auszuschließen ist es nicht, dass die politisch gebundenen Preisrichter in einen Interessenskonflikt geraten. Denn vor allem ÖVP, SPÖ und Grüne lobbyierten bereits seit Beginn der Planungen im Jahr 2012 intensiv für die jeweils von ihnen bevorzugten Lösungen.

Von Tunneln und Überplattungen

Die frühere Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (damals ÖVP) favorisierte einen Tunnel für den motorisierten Individualverkehr, der laut einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Untersuchung aus technischer Sicht zwar grundsätzlich machbar erschien; wegen der nötigen Verlegung eines Traforaums der Wiener Linien und eines Hauptabwasserkanals allerdings nur unter hohem finanziellen Aufwand. Mit 43 Millionen Euro wollte die ÖVP den Tunnelbau bewerkstelligen, die Grünen unter Planungsstadträtin Maria Vassilakou rechneten eher mit Kosten im dreistelligen Millionenbereich und winkten dankbar ab.

Vassilakou tendierte Richtung Verkehrsberuhigung durch Wegnahme einer Fahrspur, was wiederum im Stenzel-Büro als "kleinkrämerische Kosmetikaktion mit viel Trommelwirbel" quittiert wurde. Währenddessen befragte die SPÖ selbst ihre Zielgruppe und stieß auf die Idee eines "Freizeitbogens", der Teile von Schwedenplatz, Morzinplatz und Franz-Josefs-Kai überspannen und so den Verkehr aus dem Blickfeld bringen soll. (Michael Matzenberger, 7.2.2016)

  • Der Ist-Zustand des Schwedenplatzes – der Verkehr dominiert, die Trassen und Fahrspuren zerteilen den Raum.
    foto: wien.gv.at/ma 18/christian fürthner

    Der Ist-Zustand des Schwedenplatzes – der Verkehr dominiert, die Trassen und Fahrspuren zerteilen den Raum.

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