Isländischer Roman "Schattenwege": Eine lange Ermittlung

8. Februar 2016, 11:47
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Auf die Langsamkeit Arnaldur Indriðasons neuen Kriminalromans muss man sich einlassen

Reykjavík 1944: Der traditionsbewusste Bauernstaat, der sich in diesem Jahr für unabhängig erklärt, wird mit der Moderne konfrontiert. Amerikanische Truppen sind in Island stationiert, um die Invasion der Normandie vorzubereiten.

Die Fremden sind nicht beliebt, vor allem, wenn sie den isländischen Mädchen nachstellen. Im halb fertigen isländischen Nationaltheater wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Ihr Mörder bleibt unerkannt.

70 Jahre später stößt ein pensionierter Kriminalbeamter auf den Fall und beginnt, angestoßen durch einen merkwürdigen Mord, mit neuerlichen Ermittlungen. Der alte Mann, der mit einem Polster erstickt wurde, war nämlich einer der beiden erfolglosen Ermittler.

Die Gemächlichkeit, mit der Arnaldur Indriðason diese Geschichte von Armut, Auswanderung und heidnischen Relikten erzählt, ist eher untypisch. Man muss sich auf diese Langsamkeit einlassen, um die Verwerfungen eines gesellschaftlichen Umbruchs nachzufühlen, der vonstattenging. Das ist Spannung der anderen Art. (Ingeborg Sperl, Album, 8.2.2016)

  • Arnaldur Indriðason, "Schattenwege". Deutsch: Coletta Bürling. € 23,70 / 426 Seiten. Lübbe,  München 2015
    foto: lübbe

    Arnaldur Indriðason, "Schattenwege". Deutsch: Coletta Bürling. € 23,70 / 426 Seiten. Lübbe, München 2015

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