Menschen in US-Stadt Flint stehen Schlange für sauberes Wasser

Ansichtssache5. Februar 2016, 11:14
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Bewohner haben Angst vor jedem Tropfen. Das Leitungswasser ist mit Blei verseucht.

Washington – "Wasser ist hier jetzt flüssiges Gold", sagt David Madden, während ihm ein Soldat einen Pack Wasserflaschen reicht. Schlangestehen für Wasser – das gehört für die Menschen in der US-Stadt Flint zum Alltag, seit das Wasser aus ihren Leitungen mit Blei verseucht ist. "Wir versuchen, keinen Tropfen zu verschwenden", sagt der 56 Jahre alte Madden.

Das gesamte Wasser, das seine Familie zum Trinken, Kochen und Geschirrspülen braucht, muss der Familienvater Flasche für Flasche nach Hause schaffen. Nur zum Duschen und Wäschewaschen verwenden die Maddens noch das Wasser aus der Leitung.

Wasserversorgung 2014 umgestellt

Um Kosten zu sparen, stellte die verarmte Industriestadt Flint im Bundesstaat Michigan im April 2014 die Wasserversorgung um: Statt aus Detroit kam das Wasser nun aus dem Flint River – einem durch die Autoindustrie verseuchten Fluss. Braune, stinkende Brühe floss daraufhin bald aus den Wasserhähnen.

Die Menschen in der 100.000-Einwohner-Stadt beschwerten sich, doch selbst als den ersten die Haare ausfielen und sie Ausschlag bekamen, unternahmen die Behörden nichts. Das aggressive Wasser griff die alten Bleirohre an, das giftige Schwermetall gelangte ins Wasser. Für Kinder ist Blei besonders schädlich, es kann ihr Gehirn dauerhaft schädigen.

Notstand ausgerufen

Erst im vergangenen Oktober, nachdem die Menschen eineinhalb Jahre giftiges Wasser getrunken hatten, räumten die Behörden den Skandal ein. Präsident Barack Obama rief Mitte Jänner den Notstand für die Region aus. Seit einigen Wochen wird Wasser in Flaschen kostenlos verteilt.

Der Alltag in Flint ist mühsamer geworden. Es kostet Zeit, die Flaschen nach Hause zu schleppen und Flasche für Flasche in den Kochtopf oder in die Abwasch zu füllen. Manche Einwohner kochen sogar das Wasser für ihre Waschmaschine ab, um ganz sicher zu sein, dass ihre Kleidung nicht belastet ist. Wie lange das so weiter geht, wissen auch die Behörden nicht. Erst muss sichergestellt werden, dass die korrodierten Leitungen kein Blei mehr freisetzen.

Der republikanische Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, hat angekündigt, den Bewohnern von Flint 30 Millionen Dollar (27,4 Millionen Euro) für die Kosten des verseuchten Wassers zurückzuerstatten. Doch die Ängste der Menschen beseitigt das nicht. (APA, 5.2.2016)

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