Erstes Ubuntu-Tablet will den Desktop ersetzen

5. Februar 2016, 18:23
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Aquaris M10 ermöglicht dank Convergence-Modus auch klassische Desktop-Nutzung

Dieselbe Oberfläche vom Desktop bis zum Smartphone oder Tablet – diese Vision hatte Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth bereits vor einigen Jahren formuliert. Es folgte eine lange Reihe von Verzögerungen, die zur Folge hatte, dass mittlerweile Microsoft bei Windows 10 Mobile mit einem ähnlichen Feature aufwarten kann, nun ist es aber soweit: Canonical hat das erste Ubuntu-Tablet vorgestellt – und zwar eines, das Shuttleworths einstiges Versprechen einlösen soll.

Desktop

Das vom spanischen Hersteller BQ produzierte Aquaris M10 Ubuntu Edition kann nämlich auch in einen vollwertigen Linux-Desktop verwandelt werden. Wird ein externer Monitor mit dem Tablet verbunden, präsentiert sich dort die vom Ubuntu-Desktop bekannte, auf Maus- und Tastaturnutzung ausgelegte, Oberfläche. Auch die üblichen Desktop-Anwendungen wie Firefox oder LibreOffice laufen hier problemlos.

Unity 8

Canonical betont dabei, dass dies nicht bloß reine Kosmetik sei, sondern Desktop- und Tablet-Software mittlerweile auf der selben Codebasis laufen. Möglich macht dies der Canonical-eigene Desktops Unity in der aktuellen Version 8. Diese kommt bei den Smartphone-Ausgaben von Ubuntu schon einige Zeit zum Einsatz, am Desktop hatte der Softwarehersteller Unity 8 hingegen bisher als experimentell bezeichnet.

Tablet-Einsatz

Für den Tablet-Einsatz hat Canonical ebenfalls die eine oder andere Optimierung vorgenommen. So lassen sich nun etwa zwei Apps nebeneinander darstellen, etwas das bei der Smartphone-Version derzeit nicht möglich ist. Im Desktop-Einsatz gibt es solche Beschränkungen ohnehin nicht, hier können also wie gewohnt mehrere Anwendungen parallel laufen.

Hardware

Deutlich weniger interessant als die Software ist allerdings die Hardware, lesen sich die Eckdaten doch recht mittelmäßig. Das Tablet ist mit einem MediaTek MT8163A-Prozessor ausgestattet, einem 64-Bit-Quad-Core, der mit 1,5 GHz getaktet ist. Es gibt 2 GB RAM und 16 GB internen Speicherplatz, der allerdings durch eine MicroSD-Karte erweitert werden kann. Der Bildschirm ist 10,1 Zoll groß und bietet eine Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixel. Das Gerät ist 8,2 Millimeter dick bei einem Gewicht von 470 Gramm. In Fragen WLAN wird 802.11n unterstützt, die Verbindung mit dem Monitor erfolgt mittels MicroHDMI-Anschluss. Es gibt eine 8-Megapixel-Kamera und der Akku ist mit 7.280 mAh angegeben.

Vorgeschichte

Mit BQ hat sich Canonical für einen vertrauten Partner entschieden, hat dieser doch bisher schon zwei Smartphones mit Ubuntu hergestellt. Das Tablet ist übrigens nicht speziell für Ubuntu entwickelt worden, in einer Ausführung mit Android wurde es bereits vergangenen Oktober erstmals vorgezeigt.

Zeitplan

Das Aquaris M10 Ubuntu Edition soll im zweiten Quartal 2016 erhältlich sein, einen Preis nennt der Hersteller dabei derzeit noch nicht. Da die Android-Version derzeit um rund 230 Euro verkauft wird, ist aber davon auszugehen, dass auch die Ubuntu-Ausgabe in diesem Bereich angesiedelt sein wird.

Smartphone-Ausblick

Unterdessen kündigt Canonical CEO Jane Silber an, dass das Tablet nur einen ersten Schritt darstelle. Schon bald solle Ubuntu mit Convergence-Modus auch auf Smartphones vertrieben werden. Konkrete Details will man dabei allerdings noch nicht nennen. (Andreas Proschofsky, 5.2.2016)

  • Ein Tablet, das auch ein Desktop sein kann.
    foto: canonical

    Ein Tablet, das auch ein Desktop sein kann.

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