Was beim legendären Mammut-Galadiner vor 65 Jahren tatsächlich verspeist wurde

5. Februar 2016, 18:14
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Jahrzehntelang hielt sich das Gerücht von prähistorischen Ingredienzien bei einem Festmahl des Explorers Clubs. DNA-Analysen brachten nun die Wahrheit ans Licht.

New York – 1951 fand in New York City ein Dinner des exklusiven Explorers Club statt, das zumindest unter Abenteurern, Paläontologen und Genießern der exotischen Küche eine gewisse Berühmtheit erlangte. Ausnahmsweise lag es diesmal nicht an den prominenten Gästen, zu denen bei anderen Abendessen Pioniere wie Neil Armstrong, Edmund Hillary oder Dian Fossey gehörten.

Es war der ungewöhnliche Menüplan, der für Aufregung sorgte. Laut diesem wurde nämlich Megatherium gereicht, ein Riesenfaultier, das bis vor 8.000 Jahren Südamerika bewohnte. Später hieß es in den Medien, dass es sich tatsächlich um Mammutfleisch gehandelt hatte. Mitglieder des Clubs schwärmten jedenfalls noch Jahrzehnte später von dem denkwürdigen Dinner. Schade nur, dass die Anekdote das Schicksal so vieler anderer legendärer Geschichten teilt: Sie war zu gut, um wahr zu sein.

Prähistorische Speisereste

Laut einem Bericht der New York Times hatte ein Teil des prähistorischen Bratens den Abend überlebt und war über Umwege als Alkoholpräparat im Yale Peabody Museum of Natural History gelandet. Dort wurde Eric Sargis von der Yale University auf den sagenumwobenen Essensrest aufmerksam. Gemeinsam mit Kollegen wollte er dem Gerücht vom exklusiven Festmahl auf den Grund gehen.

Die Forscher nahmen Gewebeproben und unterzogen sie einer genetischen Analyse. Ein verlässliches Ergebnis war zunächst keineswegs gewiss, denn immerhin war das Fleisch angeblich Jahrtausende alt und beim Kochen erheblich erhitzt worden. Dennoch gelang es den Wissenschaftern, genug DNA-Material für die Untersuchung aufzubereiten.

Das nun von Erstautorin Jessica Glass im Fachjournal "PLoS One" präsentierte Ergebnis bestätigte nur, was Wendell Phillips Dodge, der Organisator des damaligen Dinners, bereits wenige Tage nach dem Abend in einer Clubzeitschrift indirekt gestanden hatte: Die vermeintliche kulinarische Kuriosität war weder Riesenfaultier, noch Mammut, ja nicht einmal ein Säugetier. Den Gästen war statt dessen Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) vorgesetzt worden, die sich übrigens auch als Suppe auf der Speiseabfolge fand. (tberg, 5.2.2016)

  • Essensreste eines legendären Dinners. Was die Gäste 1951 tatsächlich aßen, kam erst jetzt per DNA-Beweis ans Licht.
    foto: yale peabody museum of natural history

    Essensreste eines legendären Dinners. Was die Gäste 1951 tatsächlich aßen, kam erst jetzt per DNA-Beweis ans Licht.

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