Bargeld abschaffen?

Einserkastl4. Februar 2016, 17:34
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Bargeld ist ein letztes Mittel, einen Bereich der Privatsphäre vor der öffentlichen Neugier zu schützen

Es gibt einen politischen Todestrieb. Das jüngste Beispiel ist das Vorhaben der deutschen Bundesregierung, Bargeldzahlungen nur noch bis zu einem Betrag von 5000 Euro zuzulassen. Wenn das kommt, können sich CDU und SPD gleich mit einer starken Fraktion von Rechtsextremen (AfD) im Deutschen Bundestag anfreunden. Wenn Österreichs Regierung auf so eine Idee käme (kommt sie aber allem Anschein nach nicht), kann sie den Schlüssel für den Ballhausplatz gleich an H.-C. Strache abgeben.

Die weitgehende oder totale Abschaffung von Bargeld soll die Steuerhinterziehung, die Geldwäsche und den Terrorismus bekämpfen, heißt es. Das wird so funktionieren, wie es bisher funktioniert, nämlich äußerst mäßig. Hingegen wird es ein gewaltiger Schritt zum endgültig gläsernen Bürger: Gewisses Kaufverhalten interessiert die Gesundheitsbehörden, die Versicherungen, die Arbeitgeber, überhaupt jeden. Bargeld ist ein letztes Mittel, einen Bereich der Privatsphäre vor der öffentlichen Neugier, amtlich und privat, zu schützen.

Es geht um totale Kontrolle. Übrigbleiben würden bei der Bargeldabschaffung die Normalbürger. Sicher, es gibt recht viel Steuervermeidung. Aber es gibt sehr viel Steuergeldverschwendung. Bevor nicht die Geldverbrennungsaktionen der Politik transparent gemacht werden, besteht kein Grund, sich eine Schnüffelei bis in den letzten privaten Winkel widerstandslos gefallen zu lassen. (Hans Rauscher, 4.2.2016)

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    foto: apa/dpa/matthias balk
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