Neue Spezies bloß nicht nach sich selbst benennen

7. Februar 2016, 18:26
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Die binäre Nomenklatur der Biologie: Ein kleiner Ausflug in die feine Kunst der Namensfindung

Jede Spezies erhält in der binären Nomenklatur der Biologie ihren typischen zweiteiligen Namen in lateinischer oder latinisierter Form: Vorne ein großgeschriebenes Hauptwort, das die Gattung nennt, danach ein kleingeschriebenes Epitheton, das das vorangegangene Wort näher charakterisiert, um die Einzelspezies du definieren. Das kann ein Adjektiv sein wie "sapiens" bei "Homo" (also der "kluge Mensch") oder auch ein weiteres Hauptwort im Genetiv – etwa diverse Tiere, die bei Expeditionen des deutschen Naturforschers Georg Wilhelm Steller entdeckt wurden und dafür ein "stelleri" als zweiten Namensteil erhielten.

Außerhalb zoologischer Fachmedien tauchen solche Benennungen immer dann auf, wenn eine neuentdeckte Spezies den Namen eines Prominenten erhält; die Bezüge sind oft eher weit hergeholt und haben durchaus eine gewisse Komik. So hatten wir zuletzt innerhalb weniger Monate eine Vogelspinne, die nach Johnny Cash benannt wurde, einen Egel mit dem Namen von Amy Tan und einen ausgestorbenen Wurm, der Henry Rollins gewidmet ist. Die Wikipedia führt sogar eine eigene Seite mit Spezies, die nach Berühmtheiten benannt sind – und es sind einige echte Skurrilitäten darunter, vom Adolf-Hitler-Käfer bis zur Boris-Becker-Schnecke.

Die Kunst der Zurückhaltung

Eine solche Bezeichnung zu finden, obliegt den Forschern, die die betreffende Spezies als erste beschrieben haben. Solange sie sich an obiges, auf Carl von Linné zurückgehendes System halten, haben sie im Prinzip maximalen Freiraum, einen Namen aufgrund irgendwelcher Assoziationen zu vergeben. Die "Shakira-Wespe" Aleiodes shakirae beispielsweise ist eine Parasitin. Befällt sie eine Raupe, wird diese in konvulsivische Zuckungen versetzt, die an den Rüttelschüttel-Tanzstil Shakiras erinnern sollen.

Aber natürlich gilt es auch hier Feinheiten und sogar eine gewisse biologische Etikette zu beachten. Näheres dazu berichtet Rachel Gross im Magazin "Slate". Sie erzählt nach Gesprächen mit Biologen, wie Wissenschafter den Spagat zwischen Seriosität und dem Wunsch nach Ausdrucksfreiheit bewältigen (und vergleicht diese Kunst mit dem Schreiben von Haikus).

Und unter allen inoffiziellen Regeln der Namensgebung gibt es eine, die alle Taxonomen, die etwas auf sich halten, befolgen: Du kannst eine von dir entdeckte Spezies nach jemand benennen, den du liebst, den du hasst oder an den du dich auf irgendeine noch so an den Haaren herbeigezogene Weise erinnert fühlst. Aber niemals nach dir selbst, das ist geschmacklos.

--> Slate: "How Newly Discovered Species Get Their Weird Names"

--> Wikipedia: List of organisms named after famous people

(red, 7. 2. 2016)

  • 2016 ist erst einen guten Monat alt und kann trotzdem schon mit einer Reihe neuentdeckter Spezies aufwarten. Zum Beispiel diese Drosselart aus dem Himalayagebiet, die Zoothera salimalii benannt wurde (nach dem 1987 gestorbenen indischen Ornithologen Sálim Ali).
    foto: per alstrom

    2016 ist erst einen guten Monat alt und kann trotzdem schon mit einer Reihe neuentdeckter Spezies aufwarten. Zum Beispiel diese Drosselart aus dem Himalayagebiet, die Zoothera salimalii benannt wurde (nach dem 1987 gestorbenen indischen Ornithologen Sálim Ali).

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