"New York Times" hinterfragt Ressortgrenzen

4. Februar 2016, 20:20
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Erfolge im Digitalgeschäft – Chefredakteur kündigt grundlegende Prüfung der Kostenstruktur der Redaktionen an

New York – Der Redaktion der "New York Times" dürfte trotz guter Geschäftszahlen ein Umbau bevorstehen. Das Medienunternehmen hat zum Jahresende dank gesunkener Kosten und verbesserter Anzeigenerlöse im Onlinegeschäft deutlich mehr verdient. Der Gewinn stieg im Schlussquartal gegenüber dem Vorjahr um 53 Prozent auf 51,7 Millionen Dollar (47,3 Millionen Euro), wie die New York Times Company am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz blieb stabil bei 444,7 Millionen Dollar.

Gleichzeitig mit den Zahlen gab der Konzern bekannt, eine grundlegende Prüfung der Kostenstruktur der Redaktion durchführen zu wollen. Chefredakteur Dean Baquet will einen "strategischen Plan" für die "New York Times" entwickeln, um herausfinden, "wie wir unsere zeitlosen Werte in einem neuen Zeitalter anwenden".

Ein Drittel der Werbeeinnahmen digital

Der Chef des rund 1.000 Redakteure starken Newsrooms schrieb in einer internen Mail: "Obwohl unser digitaler Umsatz stark wächst, spüren wir weiterhin den Rückgang unseres Printgeschäfts. Das bedeutet, dass wir unsere Kosten vorsichtig managen müssen."

Während das Blatt wie viele Konkurrenten mit sinkenden Werbeeinnahmen kämpft, gibt es zumindest im Digitalgeschäft Fortschritte. Die Online-Anzeigenerlöse kletterten um 10,6 Prozent auf 69,9 Millionen Dollar und steuern mittlerweile mehr als ein Drittel zu den gesamten Werbeeinnahmen bei. Im Printbereich gab es ein Minus von 6,6 Prozent. Die Zahl der Abonnenten, die ausschließlich die Internetausgabe beziehen, stieg zuletzt auf 1,09 Millionen. Ende Juli war erstmals die Millionenmarke bei den Digitalabos geknackt worden. Die Ergebnisse resultieren allerdings auch aus erheblichen Einsparungen. Die operativen Kosten sanken um 7,7 Prozent auf 352,7 Millionen.

Ressortstrukturen hinterfragen

Baquet will auch die stark gefestigte Ressortstruktur im Newsroom hinterfragen: Themen wie Bildung und Klimawandel würden viele Ressorts betreffen. Man müsse hinterfragen, "welche Teile des Newsrooms nicht schnell genug gewachsen sind". Jedoch müsse man, um in Zukunft bestehen zu können, überall nach Einsparungen Ausschau halten – "und das schließt die Redaktion mit ein". (red, APA, 4.2.2016)

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