Motorboote helfen Raubfischen beim Jagen

5. Februar 2016, 18:25
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Lärmbelästigung sorgt bei jungen Fischen im Korallenriff für Stress

Für manche ist es eine nette Freizeitbetätigung, für andere das Todesurteil: Jungfische werden doppelt so häufig zum Opfer räuberischer Attacken, wenn in der Nähe Motorboote vorbeifahren. Dies stellte ein internationales Team aus Meeresbiologen und Bioakustikern fest.

Die Wissenschafter untersuchten in einer Mischung aus Labor- und Feldexperimenten die Gelbe Demoiselle (Pomacentrus amboinensis), die im Westpazifik vorkommt und auch als Aquariumfisch gehalten wird. Wenn im Meer ein Motorboot nahe den Jungfischen vorbeifährt, sorgt das für erhöhten Stress und senkt ihre Fähigkeit, vor Raubfischen zu fliehen. Das zeigte sich in Begegnungen mit ihrem natürlichen Fressfeind, dem Braunen Zwergbarsch.

Gescheiterte Flucht vor Räubern

Die in "Nature Communications" veröffentlichte Studie ist die erste, die zeigt, dass Geräusche aus der realen Umwelt direkte Konsequenzen für das Überleben von Fischen haben. "Die jungen Demoiselles wurden durch den Lärm der Motorboote verwirrt und gestresst", beschreibt Studienleiter Stephen Simpson von der Universität Exeter das Ergebnis. "Sie haben sechsmal seltener auf simulierte Raubfischattacken reagieren können, verglichen mit Artgenossen, die ohne Motorboote getestet wurden."

Ihre Forschung soll dabei helfen, das Lärmmanagement in Küstenregionen zu verbessern. "Am Great Barrier Reef gibt es an manchen Stellen eine sehr hohe Lärmbelästigung, aber im Gegensatz zu anderen Schadstoffen können wir Geräusche einfacher kontrollieren", sagt Mark McCormick, Professor an der James Cook University.

Resilienz am Great Barrier Reef

Menschen könnten entscheiden, wo und wann sie Krach machen und ihn durch neue Technologien senken, so McCormick weiter. Ein Beispiel dafür seien marine Ruhe- oder Pufferzonen, die man einrichten könne. "Bekannte lärmsensible Bereiche könnten so vermieden werden, oder bestimmte Zeiten im Jahr, wenn es besonders viele Jungtiere gibt."

Durch reduzierte Lärmbelästigung kann außerdem die Resilienz in den Riffgemeinschaften erhöht werden und sie so widerstandsfähiger in Bezug auf globale Erwärmung und die Übersäuerung der Ozeane machen. (sic/red, 5.2.2016)

  • Bei Lärm doppelt so gefährlich: Ein Zwergbarsch fixiert die jugendliche Gelbe Demoiselle.
    foto: christopher mirbach

    Bei Lärm doppelt so gefährlich: Ein Zwergbarsch fixiert die jugendliche Gelbe Demoiselle.

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