Zika-Virus: Virologen sehen minimale Gefahr für Mitteleuropa

4. Februar 2016, 14:45
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Eine Ausbreitung der Überträgermücken sei in Mitteleuropa sehr unwahrscheinlich, sagen Experten

Berlin/München – Das Zika-Virus stellt nach Einschätzung der deutschen Gesellschaft für Virologie (GfV) ein minimales Risiko für Mitteleuropa dar: "In Deutschland besteht keine Gefahr einer Infektion mit Zika-Virus. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Mücke importiert wird, die das Virus auf eine Schwangere überträgt, ist als vernachlässigbar einzustufen", heißt es vonseiten der Fachgesellschaft.

Eine dauerhafte Ansiedelung und Ausbreitung der Stechmücken Aedes aegypti und Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke) als Überträger sei "bei den klimatischen Bedingungen in Deutschland und Mitteleuropa extrem unwahrscheinlich." In Mittelmeerländern mit stärkerer Verbreitung von Aedes albopictus seien im Sommer – nach Einschleppung des Virus durch akut infizierte Reisende – Übertragungen von Virusinfektionen und gegebenenfalls auch kleine Ausbrüche denkbar, lautet die Einschätzung der Experten.

Safer Sex nach Reisen in Endemiegebieten

Da es noch keine Klarheit darüber gibt, ob das Zika-Virus auch über die Samenflüssigkeit von akut infizierten Männern übertragen werden kann, rät die Regensburger Virologin Susanne Modrow vorsorglich zum Safer Sex: "Reiserückkehrer aus Endemiegebieten, bei denen eine akute Zika-Virusinfektion nicht ausgeschlossen werden kann, können sicherheitshalber für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen Kondome verwenden – egal ob beim Partner eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht."

Eine Infektionsgefahr mit dem Zika-Virus durch sexuellen Kontakt besteht möglicherweise auch noch nach dem Abklingen der akuten Symptome. Anders als im Blut könne das Virus in Sperma, aber auch in Urin in einigen Fällen über mehrere Wochen feststellbar und damit ansteckend sein, sagt Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Universität München. Studien dazu, wie lange das Virus im Blut und im Sperma verweilen kann, lägen jedoch bisher nicht vor.

"Neu ist der Nachweis im Urin auch für die Diagnostik", so Löscher. "Vieles ist aber noch nicht klar." Gedanken machen sich Fachleute auch über den Umgang mit Blutspendern: Nach einer durchgemachten Zika-Infektion darf dem Experten zufolge – wie beim Denguefieber – mindestens vier Wochen kein Blut gespendet werden. Nach Reisen ins Ausland haben Spender Wartezeiten: Bei Rückkehr aus Lateinamerika mindestens vier Wochen, aus Malariagebieten sechs Monate.

Voraussetzungen für zuverlässigen Nachweis

Löschers Kollegen am Tropeninstitut müssen täglich Dutzende Anfragen besorgter Menschen beantworten. Wirklich bedeutsam bzw. problematisch sei die Infektion aber nur in der Schwangerschaft, betont Löscher.

Im Allgemeinen verlaufen Infektionen mit dem Zika-Virus mild und zu etwa 80 Prozent asymptomatisch. Bei den übrigen Betroffenen treten drei bis zwölf Tage nach dem Mückenstich Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, eine Bindehautentzündung, Schwächegefühl oder auch ein juckender Hautausschlag auf.

Die Diagnose der frischen Infektion gelingt durch Nachweis der viralen RNA im Blut. "Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist dieser zuverlässige Nachweis allerdings nur in den ersten Erkrankungstagen regelmäßig möglich, etwas länger offenbar im Urin", stellt Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie vom Universitätsklinikum Ulm fest. (APA, dpa, 4.2.2016)

  • Auf das Klima kommt es an: Eine dauerhafte Ansiedelung und Ausbreitung von Stechmücken, die das Zika-Virus übertragen können, sei "bei den klimatischen Bedingungen in Deutschland und Mitteleuropa extrem unwahrscheinlich", beruhigt Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Universität München.
    foto: apa/afp/marvin recinos

    Auf das Klima kommt es an: Eine dauerhafte Ansiedelung und Ausbreitung von Stechmücken, die das Zika-Virus übertragen können, sei "bei den klimatischen Bedingungen in Deutschland und Mitteleuropa extrem unwahrscheinlich", beruhigt Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Universität München.

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