VW und Co: Wer sind "Toxic Workers"?

8. Februar 2016, 07:00
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Woran erkennt man Mitarbeiter, die durch ihr Fehlverhalten dem Unternehmen Schaden zufügen? Zwei Wissenschafter aus Harvard haben Antworten

Unweigerlich denkt man an Investmentbanker, wenn es um so genannte "Toxic Workers" geht – um Mitarbeiter, die durch ihr Fehlverhalten dem Unternehmen schaden. Aktuell gibt es aber auch das Beispiel VW, wo ebenfalls deutlich wurde: Wenn einzelne Mitarbeiter Fehler machen, kann dies das Unternehmen teuer zu stehen kommen.

Obwohl diese Negativbeispiele bekannt sind, konzentriere man sich in den Unternehmen – und auch in der Forschung – noch immer zu stark auf die High-Performer, schreiben die beiden Wissenschafter Michael Housman und Dylan Minor in der Einleitung ihrer Studie "Toxic Workers". Sie wollen deswegen der Frage nachgehen, welchen Schaden gefährliche Mitarbeiter anrichten und vor allem wie man sie erkennen kann.

Sehr viel Egoismus

Die Autoren nennen vier Merkmale, die auf ein toxisches Verhalten hindeuten: Dass diese Mitarbeier hochgradig egoistisch sind, überrascht nicht. Dies ist die erste Ableitung aus den Daten von 50.000 Mitarbeitern, welche Housman und Minor zur Auswertung heranziehen konnten. Die beiden Forscher konnten auf Ergebnisse eines psychologischen Eignungstests zurückgreifen, sie wussten über die Dauer der Arbeitsverhältnisse und erbrachte Leistungen Bescheid und – falls es zu einer Kündigung kam – über die Gründe für die Entlassung.

Selbstüberschätzung ist demnach das zweite Merkmal eines giftigen Mitarbeiters, dadurch rechne er erst gar nicht damit, dass etwas schiefgehen könnte.

Produktiv? Ja, aber...

Sein Verhältnis Regeln gegenüber sei, drittens, ambivalent – wer im Einstellungstest angab, dass Regeln zu befolgen besonders wichtig ist, wurde später mit höherer Wahrscheinlichkeit wegen eines Regelbruchs gekündigt. Überraschend ist diese Differenz nur auf den ersten Blick: Toxic Workers würden nur so lange auf Regeln setzen, wie sie ihnen selbst nutzen.

Auch das letzte Merkmal ist aufschlussreich: Toxic Workers sind besonders produktiv. Laut den beiden Wissenschaftern ist der enorme Output ein wichtiger Grund, warum sich diese Mitarbeiter lange halten, obwohl Kollegen vielleicht bereits von der Selbsteingenommenheit und Arroganz genervt sind.

... Kosten sind zu hoch

Trotz der hohen Produktivität lohne es sich aber dennoch nicht, einen Toxic Worker zu beschäftigen: Housman und Minor kommen in ihren Berechnungen nämlich zum Schluss, dass die Kosten, die giftige Mitarbeiter verursachen, höher sind, als der Nutzen, der durch die allerbesten Mitarbeiter entsteht. Das Verhältnis liege bei knapp zwei zu eins: ein giftiger Mitarbeiter koste ein Unternehmen durchschnittlich 12.500 US-Dollar, ein Prozent der besten Arbeitnehmer erwirtschafte aber nur ein Plus von etwa 5.000 Dollar.

Das Fazit der Wissenschafter ist klar: Es ergibt mehr Sinn die Personalsuche so anzulegen, dass Mitarbeiter mit giftigem Verhalten erkannt werden statt nur die Superstars zu suchen. Die Personalabteilungen sollten deswegen zumindest den Fokus auf Leistung im "war for talents" kritisch hinterfragen und sich über die anderen Dimensionen bewusst werden. "Aus ethischen Bedenken heraus, aber auch wenn man allein auf Profitmaximierung setzt." (Lara Hagen, 8.2.2016)

Link zu Studie:

Harvard Business School

  • Michael Housman und Dylan Minor konnten auf Daten von 50.000 Mitarbeitern aus insgesamt elf Unternehmen für ihre Studie verwenden.
    foto: istock

    Michael Housman und Dylan Minor konnten auf Daten von 50.000 Mitarbeitern aus insgesamt elf Unternehmen für ihre Studie verwenden.

  • Egoismus, Selbstüberschätzung, Regelbrechen aber auch Produktivität kennzeichnen so genannte "Toxic Workers".
    foto: istock

    Egoismus, Selbstüberschätzung, Regelbrechen aber auch Produktivität kennzeichnen so genannte "Toxic Workers".

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