Mausbewegungen verraten grantige Nutzer

4. Februar 2016, 11:50
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Forscher entwickeln Software, die den Gemütszustand erkennt – soll Webseiten-Analyse verbessern

Unübersichtliche Webseiten, komplizierte Onlineshop-Menüs und andere Ärgernisse führen mitunter zu Frust bei Internetnutzern. Doch für die Betreiber der Angebote ist es nicht leicht herauszufinden, wo genau die Probleme liegen.

Per Mousetracking könnten sie den Schwierigkeiten künftig besser auf die Schliche kommen. Eine Software der Universität Duisburg-Essen ist nämlich in der Lage, die Laune des Nutzers anhand seiner Bewegungen beim Führen des Zeigers am Bildschirm zu erkennen.

Gemeiner Intelligenztest verärgert Probanden

Um zu Erkenntnissen zu gelangen, waren die Wissenschaftler mitunter auch gemein zu ihren Probanden. Um Frustration zu erzeugen, setzten sie eine Gruppe einem Intelligenztest aus, der unter Zeitdruck zu absolvieren war. Zusätzlich steigerte man künstlich die Ladezeiten, um den Druck zu erhöhen. Direkt danach wurde ein Ergebnis ausgeworfen, welches den Teilnehmern unterdurchschnittliche Intelligenz bescheinigte.

Anschließend wurde ihnen ein zweiter Test vorgelegt. Die Vergleichsgruppe, die an der ersten Prüfung nicht teilgenommen hatte, absolvierte diesen ebenfalls.

Eckig und abrupt, aber langsamer

Die Wissenschaftler erfassten während des Experiments die Mausbewegungen und konnten deutliche Unterschiede feststellen. Die Probanden, die man vor dem zweiten Test frustriert hatte, führten ihre Mauszeiger "eckig und abrupt" über den Schirm. Verblüffend fand man, dass sie ihre Hand allerdings langsamer bewegten als die Mitglieder der zuvor unbehelligten Gruppe, die den Zeiger in "geraden oder leicht gekrümmten Kurven" führten.

Automatisierte Messung für Webseiten-Analyse

Per Software lässt sich automatisch herausfinden, ob ein User gerade ruhig oder genervt ist. Durch derlei Messungen könnten etwa Interface-Designer und Webseiten-Betreiber künftig genau feststellen, auf welchem Teil der Oberfläche oder eines Bestellprozesses die Laune des Nutzers sich verschlechtert – und entsprechend Gegenmaßnahmen ergreifen.

Der Einsatz solcher Technik birgt Potenzial für Verbesserungen, aber auch Datenschutzproblematik. Martin Thomas Hibbeln, der Teil des Forschungsteams war, würde an den Einsatz des Mousetrackings eine explizite, vom Nutzer vorab gegebene Einwilligung knüpfen. Die Ergebnisse der Studie werden bald in der Fachzeitschrift MIS Quarterly veröffentlicht. (gpi, 04.02.2016)

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