Therapieansatz für alkoholbedingte Leberentzündung

4. Februar 2016, 11:21
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Forscher fanden heraus, dass das Protein Lipocalin 2 (LCN2) eine entzündungsfördernde Rolle spielt

Innsbruck – Die Leber ist das einzige Organ, das Alkohol in nennenswerten Mengen abbauen kann. Wer jedoch regelmäßig zu viel Alkohol trinkt, stört das chemische Gleichgewicht in der Leber. Die Folge: Leberzellen werden geschädigt oder verändert. Dies führt zunächst zu Fetteinlagerungen, auch alkoholische Fettleber genannt. In diesem Stadium kann sich die Leber noch vollständig regenerieren – vorausgesetzt, das Trinken von Alkohol wird eingestellt. Andernfalls droht eine alkoholische Hepatitis, eine schwerwiegende Entzündung der Leber.

"Bis heute gibt es abseits einer nur in wenigen Fällen in Frage kommenden Lebertransplantation keine wirksame Therapie" heißt es vonseiten der Medizinischen Universität Innsbruck, wo an einem neuen Therapieansatz zur Behandlung der Erkrankung geforscht wird: Lipocalin 2 (LCN2) heißt das kleine Protein, das sich als vielversprechender Angriffspunkt gegen die alkoholische Hepatitis erweisen könnte.

"Eine akute alkoholische Hepatitis tritt im Rahmen einer schweren Alkoholerkrankung auf, wenn die Leber bereits vorgeschädigt, also das Gewebe vernarbt ist. Fieber, Gelbsucht und ein extrem schlechter Allgemeinzustand begleiten die Entzündungsvorgänge, die die Leberfunktion zusätzlich verschlechtern. Kortison ist die Therapie der Wahl, kann die Entzündung aber nicht mehr stoppen. Eine wirksame, lebensrettende Behandlung ist daher dringend erforderlich", berichtet Herbert Tilg, Internist an der Med-Universität Innsbruck.

Entzündungsförderndes Eiweiß

Die Innsbrucker Wissenschafter konzentrierten sich in ihrer Studie auf jene Akteure und Steuerungsmechanismen, die zu dieser schweren Form der Leberentzündung führen. "Wir wussten, dass die Leber in diesem chronisch entzündlichen Stadium von bestimmten weißen Blutkörperchen, den neutrophilen Granulozyten, überschwemmt ist und dass LCN2, ein kleines, aus weißen Blutkörperchen gebildetes Eiweiß, eine relevante Rolle bei Entzündungsprozessen spielt", erklärt Erstautorin der Studie, Verena Wieser.

Die Forscher verglichen zunächst Lebergewebe von Alkohol-Hepatitis-Patienten mit Lebergewebe von Patienten mit nicht-alkoholischer Fettleber und stellten fest, dass LCN2 nur im Gewebe der ersten Gruppe stark ausgeprägt war. Ob es sich dabei um ein Nebenphänomen oder ein krankheitsrelevante Reaktion handelt, überprüften die Mediziner an einem alkoholischen Lebermodell in der Maus. "Wir konnten sehen dass LCN2-Knockout-Mäuse trotz Alkohol-Gabe vor Hepatitis geschützt blieben, also nicht krank wurden", erklärt Studienleiter Tilg.

In einer Antikörper-Studie konnte außerdem gezeigt werden, dass die Blockade von LCN2 eine Infiltration durch neutrophile Granulozyten weitgehend verhindert. Die Forscher hoffen nun, mit diesen Ergebnissen den Grundstein für eine mögliche Therapie gelegt zu haben. (red, 4.2.2016)

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