Kernfusionsanlage erzeugte erstes Wasserstoffplasma

3. Februar 2016, 17:38
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Greifswalder Projekt untersucht die Kraftwerkstauglichkeit von Kernfusion – Experimente in neue Phase eingetreten

Greifswald – In der deutschen Kernfusions-Forschungsanlage "Wendelstein 7-X" in Greifswald ist das erste Wasserstoff-Plasma erzeugt worden. Für die Forscher am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) begann damit der wissenschaftliche Experimentierbetrieb. Kanzlerin Angela Merkel, selbst Physikerin, legte am Mittwoch persönlich den Schalter um.

Ein kurzzeitiges helles Leuchten auf den Monitoren, von Kameras aus dem Inneren der Fusionsanlage übertragen, signalisierte den Mitarbeitern und Gästen aus anderen Forschungseinrichtungen den Erfolg. Wie einer der IPP-Direktoren, Robert Wolf, erläuterte, war für etwa eine halbe Sekunde bei einer Temperatur von mehreren Millionen Grad aus Wasserstoff Plasma geworden. "Wir simulieren schon in weiten Teilen den Kraftwerksbetrieb", sagte er. Bis 2020 sollen die Entladungen schrittweise bis auf 30 Minuten verlängert werden.

Schrittweise voran

Das rund eine Milliarde Euro teure Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" ist laut IPP die weltgrößte Fusionsanlage vom Typ Stellarator. Energie wird mit "Wendelstein 7-X" nicht gewonnen werden, dazu wäre die Anlage mit 16 Metern Durchmesser und fünf Metern Höhe auch zu klein. Nach Angaben des IPP wird es noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Kernfusion den Menschen Energie liefern kann.

Ziel der Forschungen in Greifswald ist es, die prinzipielle Kraftwerkstauglichkeit von Kernfusionsreaktoren zu testen. Aus vier Kübeln Wasser könne einmal so viel Energie gewonnen werden wie aus 40 Tonnen Kohle, rechnete die Wissenschaftliche Direktorin des IPP, Sibylle Günter, vor.

Im Dezember war ein erstes Testplasma aus Helium erzeugt worden. In der nun angelaufenen Versuchsphase wurde erstmals Wasserstoff herangezogen – zunächst nur einfacher Wasserstoff (Protium). Später soll es ein Gemisch aus Protium und Deuterium ("schwerem Wasserstoff") sein, aber keines aus Deuterium und Tritium ("überschwerem Wasserstoff"), wie es Reaktoren in tatsächlichen Fusionskraftwerken verwenden würden. (APA, red, 3. 2. 2016)

  • Die deutsche Bundeskanzlerin vor dem entscheidenden Knopfdruck – als Physikerin ganz in ihrem Element.
    foto: ap/bernd wuestneck

    Die deutsche Bundeskanzlerin vor dem entscheidenden Knopfdruck – als Physikerin ganz in ihrem Element.

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