EU-Agrarförderungen: Die Masse macht's – nicht

Kommentar4. Februar 2016, 05:30
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Immer größere landwirtschaftliche Einheiten in der EU produzieren viel zu viel

Vieles ist total aus dem Ruder gelaufen bei der europäischen Agrarpolitik, die sich eigentlich zum Ziel gesetzt hat, die "ländliche Entwicklung" zu unterstützen und familiäre Kleinbetriebe zu erhalten.

Das Gegenteil ist zu beobachten: Immer größere landwirtschaftliche Einheiten in der EU produzieren viel zu viel. Diese Überschüsse müssen auf Exportmärkten außerhalb der EU abgesetzt werden, wo sie oft nicht die kostendeckenden Preise erzielen, die die Betriebsinhaber brauchen. Denn auf dem Weltmarkt sind alle großen Agrarproduzenten vertreten: die USA, Australien, Neuseeland.

Mit Geld aus Brüssel wird deshalb jetzt wieder Überschuss-Lagerhaltung gefördert, was fatal an die vergangenen Milchseen und Butterberge erinnert. Diese waren mit einer rigiden, auf Quoten und Preisstützungen basierenden EU-Agrarpolitik entstanden.

Die liberalisierte europäische Landwirtschaft hat derzeit einen unguten Zug zur Größe. Da zählt nur die Ökonomie, die "Economy of Scale". Ökologische Überlegungen werden vielfach hintangestellt. Das Tierleid, das bei industrieller Haltung und Schlachtung entsteht, wird ausgeblendet – vom Produzenten sowieso, vom Konsumenten auch.

Die kleinen Bauern, auf die es laut EU-Kommission angeblich besonders ankommt und die das Rückgrat der europäischen Landwirtschaft darstellen, haben es in diesem Marktumfeld besonders schwer. (Johanna Ruzicka, 4.2.2016)

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