Streit um Lehrplan über Türkenherrschaft: Bulgarien hat neue Bildungsministerin

3. Februar 2016, 16:08
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Vizeregierungschefin Kunewa übernimmt Amt – Landesweite Diskussion über Lehrpläne zur Lage Bulgariens im Osmanischen Reich

Sofia – Bulgariens Vizeregierungschefin Meglena Kunewa hat nach einem Streit über neue Lehrpläne zur Türkenherrschaft zusätzlich auch das Bildungsministerium übernommen. Das Parlament wählte die 58-jährige Juristin am Mittwoch zur neuen Ministerin für Bildung und Wissenschaft. Dabei stimmten 106 Abgeordnete mit Ja bei 66 Neinstimmen und 31 Enthaltungen.

Die frühere EU-Kommissarin ist seit Oktober 2014 als stellvertretende Ministerpräsidentin der Mitte-rechts-Regierung für Europapolitik zuständig. Der bisherige Bildungsminister Todor Tanew war am Montag zurückgetreten.

Sklaverei oder Zusammenleben mit Türken?

Hintergrund ist ein landesweiter Streit über geplante neue Lehrprogramme. Empörte Eltern und Lehrer hatten bemängelt, dass bulgarische Klassiker aus der Renaissance und der Zeit der Widerstandskämpfe gegen die Türkenherrschaft aus dem Lernstoff für die sechste Klasse fallen sollten. In den Streit schalteten sich auch Nationalisten und Medien ein. Es kam zu Protesten und Diskussionen darüber, ob Bulgarien bis 1878 unter türkischer "Sklaverei" oder "Herrschaft" war oder es ein "Zusammenleben" von Türken und Bulgaren im Osmanischen Reich gegeben habe. (APA, 3.2.2016)

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